Komponentendiagnostik Diagnose Sensibilisierungen

Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- und Asthma-Zentrum Westend, Berlin

Komponentendiagnostik: Exaktere Diagnose von Sensibilisierungen

Bei welchen Allergien kann die Komponentendiagnostik noch von Vorteil sein?

Ein Vorteil der molekularen Allergiediagnostik ergibt sich auf jeden Fall bei bestimmten Formen der Weizenallergie, weil dort die Sonderformen der anstrengungsabhängigen Weizenallergie, der WDEIA, häufig auf dem Klebereiweiß des Weizens beruhen, dem Omega-5 Gliadin, auch Tri a 19 genannt. Hier bietet ein positiver Sensibilisierungsnachweis mit dem spezifischen IgE-Test gegen Tri a 19 eigentlich gute Hinweise, ob diese anstrengungsabhängige Anaphylaxie wirklich vorliegt.

Der Grund dafür, dass das Allergen Tri a 19 einzeln geprüft werden muss, liegt in seiner Wasserunlöslichkeit. Das Allergen ist deshalb meist nicht in den üblicherweise wässrigen Extrakten von Weizenmehl enthalten. Die molekulare Allergiediagnostik ist im Hinblick auf das Weizenklebereiweiß deshalb deutlich zielgerichteter – die Laborärzte nennen das "analytisch spezifischer".

Ein anderes Beispiel für eine Allergie, bei der die molekulare Allergiediagnostik Vorteile bietet, wären Fleischallergien, die z.B. durch ein Bluttransportprotein, dem Serumalbumin, bedingt sein und durch die Inhalation von z.B. Katzenbestandteilen entstehen können. Serumalbumine sind Transportproteine, die von sämtlichen Säugetieren, einschließlich des Menschen, produziert werden. Allerdings ist diese Allergieform, die man früher als Katzen-Schweinefleisch-Syndrom bezeichnete, relativ selten. Meist führt sie nur beim Genuss von Innereien, wie z.B. Nieren oder anderen blutserumhaltigen Fleischprodukten, aber auch gemischten Fleischprodukten wie Wurst, zu Allergiebeschwerden.

Eine andere und neue Form der verzögerten Fleischallergie, die erst nach einigen Stunden vorwiegend zu Nesselsucht, d.h. Ausschlag mit juckenden Quaddeln führt, ist eine Allergie durch IgE-Antikörper gegen eine gewisse Zuckerseitenkette, das α-Gal, die von Säugetieren gebildet wird. Da diese Zuckerseitenkette auch an Fleischproteinen zu finden ist, kann es nach Genuss von rotem Fleisch, also Rind-, Schweine- und Lammfleisch, nicht aber nach Geflügel, zu diesen verzögerten allergischen Reaktionen kommen. Die Sensibilisierungen  gegen diese Zuckerseitenkette ist auch eher eine seltene Allergie und wird auf einen vorangegangenen Zeckenstich zurückgeführt, bei dem ebenfalls fremde Proteine mit dieser bestimmten Seitenkette, dem α-Gal, in den menschlichen Organismus gelangen. Dadurch entsteht eine Überempfindlichkeit vom Soforttyp. Auch hier bietet die Komponentendiagnostik Vorteile.

Auch bei der Bienengift- und Wespengiftallergie hat die komponentenbasierte Allergiediagnostik Vorteile. Da Bienengift und Wespengift zum Teil ähnliche Allergene aber auch Proteine enthält, die nur in einem der Gifte vorkommen, lässt sich mit einer Komponentendiagnostik gegen eines dieser Proteine das verantwortliche Insekt eindeutig zuordnen.

In einigen Fällen sind beim herkömmlichen Sensibilisierungstest beide Extrakte, d.h. sowohl Bienengift als auch Wespengift, positiv. In diesen Fällen blieb es bislang unklar, welches das verantwortliche Insekt war und womit genau die Spezifische Immuntherapie (SIT) durchgeführt werden sollte. Hier helfen dann Komponenten, die nur in einem Gift vorhanden sind. Bisher verfügbar sind das Api m 1 des Bienengiftes bzw. das Ves v 1 und das Ves v 5 des Wespengiftes.

Die Giftallergene der Hummel haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den Bienengifthauptallergenen, die Giftallergene der Hornisse ähneln denen der Wespe. In diesen Fällen bleibt nur die Option bei einer Allergie gegen Hummelgift mit dem Allergenextrakt vom Bienengift zu behandeln und bei einer Hornissengiftallergie mit dem Allergenextrakt vom Wespengift. 

Ist die Komponentendiagnostik bzw. die molekulare Allergiediagnostik bei der Diagnose aller Allergien von Vorteil?

Nein, es gibt eine Reihe von Allergien, bei denen Komponentendiagnostik zurzeit noch keinen Vorteil bietet. Dazu gehören die Allergie gegen Kuhmilch und Hühnerei. Auch bei der Fischallergie und der Allergie auf Schalentiere und Krustentiere ist noch kein direkter Vorteil sichtbar.

Herr Privatdozent Kleine-Tebbe, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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