Schweizerischen Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)

SIAF-Direktor Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis

Allergie-Spitzenforschung am Schweizerischen Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)

Sie betreiben im SIAF Allergieforschung auf höchstem Niveau; war es bereits möglich, Forschungserkenntnisse in Therapien umzusetzen?

Ja, wir konnten die Ergebnisse unserer Forschungen im SIAF bereits in die Entwicklung von rekombinanten Impfstoffen einbringen. Diese rekombinanten Impfstoffe werden von Unternehmen, die immuntoleranzaktivierende Impfstoffe herstellen, eingesetzt und basieren auf den erwähnten Immuntoleranz-Mechanismen. Durch die rekombinanten Impfstoffe, welche die Basis der spezifischen Immuntherapie (SIT) bilden, besteht nun erstmals die Hoffnung, bestimmte Allergien wirklich heilen zu können, während die bisher eingesetzten Medikamente lediglich die Symptome unterdrücken konnten.

Auf welche Fragestellungen der Allergologie konzentriert sich das SIAF aktuell?

Ein wichtiger Bereich ist die epitheliale Barrierefunktion, d.h. die Barrierefunktion der äussersten Zellschicht in einem Organ wie Haut oder Lunge. Die epitheliale Barrierefunktion ist ein wichtiger Faktor bei Allergien. Erst kürzlich konnten wir zeigen, übrigens dank der finanziellen Unterstützung von CK-CARE, dass Asthmatiker, Neurodermitiker und Menschen mit chronischer Sinusitis einen Defekt der epithelialen Barrierefunktion aufweisen. Bei diesen Menschen sind die Tight Junctions nicht so "dicht" wie sie es sein sollten. Mit Tight Junctions bezeichnet man schmale Bänder aus Proteinen, welche die Epithelzellen der inneren oder äußeren Körperoberflächen eng zusammenhalten und undurchlässig zu machen. Sind sie nicht "dicht", bedeutet dies, dass u.a. Allergene sie leichter  durchdringen können. Mit unseren Forschungen verfolgen wir das Ziel, einen Biomarker zu finden, der uns dabei hilft, die Patientensubgruppen, die von bestimmten Therapien profitieren können, zu identifizieren. Bisher wurde beispielsweise Asthma als "eine" Krankheit wahrgenommen. Mittlerweile weiß man aber, dass das Krankheitsbild Asthma sehr heterogen ist und aus vielen verschiedenen Subgruppen besteht. Zur Identifikation dieser Subgruppen wollen wir Biomarker entwickeln.

Gibt es schon Konzepte dazu, wie man die Tight Junctions wieder "abdichten" kann?

Wir stehen mit unseren Forschungen noch ganz am Anfang und es ist nicht so leicht, die Tight Junctions wieder "dicht" zum machen. Wir haben aber bestimmte Peptide identifiziert, die in Medikamenten zum Einsatz kommen und zum Abdichten der Tight Junctions dienen könnten. Auch für bestimmte chemische und natürliche Stoffe gibt es Ansätze, die wir verfolgen.

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