Personalisierte Medizin

Prof. Thomas Bieber, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Universitätsklinik in Bonn

Personalisierte Medizin: Was bringt das für Allergie-Patienten?

Welches sind die Voraussetzungen für den Einsatz der personalisierten Medizin?

Es gibt zwei Grundvoraussetzungen für den Einsatz der personalisierten Medizin: Das Krankheitsbild selbst muss sehr heterogen sein, wie dies z.B. bei den Allergien der Fall ist. Es muss möglich sein, diese Heterogenität des Krankheitsbildes in verschiedene Subgruppen aufzuschlüsseln bzw. zu stratifizieren, die in sich homogener sind. Die Voraussetzung für die Unterteilung in Subgruppen sind wiederum Biomarker. Ein Beispiel für ein Krankheitsbild, das einerseits heterogen ist und andererseits über Biomarker in mehr oder weniger homogene Subgruppen aufgeteilt werden kann, ist das Asthma. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung neuere Medikamente und Präventionsstrategien.

Wie kann die personalisierte Medizin bei allergischen Erkrankungen eingesetzt werden?

Die personalisierte Medizin ist in der Allergologie eigentlich nichts Neues. Das Krankheitsbild Allergie hat sehr viel unterschiedliche Facetten und Ausprägungen. Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis – dies alles sind sehr heterogene Erkrankungen. Es ist schon seit Jahren bekannt, dass das Patientenkollektiv der Allergiker mit Hilfe von diagnostischen Verfahren wie Prick-Tests oder RAST in Subgruppen in Bezug auf die Relevanz von Allergenen aufgeschlüsselt werden kann.

Allerdings ist die Aufschlüsselung, die im Bereich Allergien bisher stattgefunden hat, relativ begrenzt. Man beginnt gerade erst diese Begrenzung aufzulösen, indem man für die Diagnostik nicht mehr nur die standardisierten Allergen-Extrakte verwendet, sondern rekombinante Strukturen und Proteine, die eine exaktere Analyse ermöglichen.

In der Allergologie haben wir ein doppeltes Problem. Zum einen sind die Patienten heterogen, zum anderen sind die Extrakte, mit denen die Testungen durchgeführt werden auch sehr heterogen. Das bedeutet, wir haben hier eine Komplexität auf zwei Ebenen.

Erst durch die sogenannte molekulare Allergiediagnostik lassen sich die Sensibilisierungen (und später auch die Toleranz) eines Individuums exakt bestimmen. Durch diese exakte Bestimmung der Sensibilisierung und des auslösenden Allergens erhofft man sich z.B. eine bessere Einschätzung des Erfolges einer Spezifischen Immuntherapie. Mit der molekularen Allergiediagnostik kann man z.B. unterscheiden, ob bestimmte Symptome tatsächlich auf ein bestimmtes Allergen zurückzuführen sind oder ob es sich lediglich um eine Kreuzreaktivität handelt.  

Bei welchen allergischen Erkrankungen ist zurzeit der Einsatz der personalisierten Medizin möglich?

Grundsätzlich wären Asthma, allergische Rhinitis und die atopische Dermatitis, d.h. Neurodermitis, mögliche Einsatzgebiete für die personalisierte Medizin. Gerade bei der Neurodermitis haben wir es mit einem extrem heterogenen Krankheitsbild zu tun. Mit der personalisierten Medizin besteht die Möglichkeit, diejenigen Neurodermitis-Patienten relativ früh zu identifizieren, die das höchste Risiko haben, später einen atopischen Marsch zu durchlaufen.   

Auch bei den Nahrungsmittelallergien ist es gut vorstellbar, dass die Molekulare Allergiediagnostik ein präziseres Bild des auslösenden Allergens geben könnte. Dadurch könnten sich auch neue Optionen bzgl. der Maßnahmen zur Prävention ergeben. Auch eine exaktere Einschätzung der Erfolgsaussichten einer Immuntherapie könnte möglich sein bzw. eine exaktere Definition des einzusetzenden Extraktes. Insbesondere in Bezug auf die Anaphylaxie wäre dies ein großer Fortschritt. Mit einer verfeinerten Diagnostik könnte man dann die Patienten erkennen, die möglicherweise von einer Immuntherapie am meisten profitieren.

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