Behandlung allergischer Kinder

Prof. Dr. med. Albrecht Bufe, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) und Leiter der Abteilung Experimentelle Pneumologie der Ruhr-Universität Bochum.

Volkskrankheit Allergie: Wie werden allergische Kinder behandelt?

Wann ist die Hyposensibilisierung bei Kindern angebracht?

Es gibt eine klare Indikation für die Spezifische Immuntherapie. Wir wissen nach 100 Jahren Therapieerfahrung sehr gut, unter welchen Bedingungen die Immuntherapie sehr gut wirksam ist, insbesondere, wenn sie frühzeitig eingesetzt wird. Bei Heuschnupfen und Allergischem Asthma z.B. ist die Hyposensibilisierung eine sehr effektive und wichtige Therapie. Aktuell sind wir dabei, diese Therapieform zu optimieren, auch für andere allergische Erkrankungen, und wissenschaftlich zu begleiten.

Warum wäre gerade die frühe Behandlung der Kinder mit einer Immuntherapie wichtig? Mit welchen Konsequenzen muss man rechnen, wenn die Therapie nicht rechtzeitig oder angemessen erfolgt?

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass man gerade bei den Pollenallergien mit einer frühzeitigen Behandlung den Etagenwechsel zum Allergischen Asthma verhindern kann. Hier sollte man nicht erst warten, bis es zum Asthma gekommen ist. Zurzeit können wir zwar noch nicht endgültig sagen, ob die Behandlung für alle Präparate bzw. Allergene wirksam ist. Man kann jedoch sagen, dass die Hyposensibilisierung beim Heuschnupfen eine sekundäre Prävention von Asthma bewirkt.

Welche Forschungsvorhaben sind im Bereich Allergieprävention bei Kindern aktuell? Welche Studien laufen zurzeit?

Hier darf man auf die Ergebnisse der GAP-Studie gespannt sein, die sicher 2015 erscheinen werden und an der eine ganze Reihe von pädiatrischen Zentren in Deutschland beteiligt sind.

In der GAP-Studie wird untersucht, ob die Sublinguale Immuntherapie (SLIT) bei Kindern mit Heuschnupfen nach dreijähriger Therapie einen Etagenwechsel, d.h. die Entwicklung eines Allergischen Asthmas verhindert kann.

Ein wichtiger Aspekt bei der Frage, ob die Sublinguale Immuntherapie (SLIT) eine empfehlenswerte Therapie zur Prävention des Allergischen Asthmas wird, ist jedoch auch die Compliance-Frage, d.h. die Frage nach der zu erwartenden Therapietreue der Patienten.

Zum einen ist bei der SLIT die Nebenwirkungsrate relativ hoch - bei  ca. 30 bis 40 Prozent der Patienten kommt es zu einem oralen Allergiesyndrom (OAS). Zwar entwickeln die allermeisten Kinder nach zwei bis 6 Wochen eine lokale Toleranz gegenüber den Allergenen, aber dies könnte die Therapietreue negativ beeinflussen.

Zum anderen gilt auch bei der SLIT, dass die Therapie nur dann funktionieren kann, wenn die Allergene mit strikter Regelmäßigkeit über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Wenn der Patient dies im Laufe der Therapie selbst verantwortet, kann es leicht zu Versäumnissen kommen. Auch bei der Therapie via Spritze kommt es immer wieder zu Therapieabbrüchen, aber die Notwendigkeit, dass der Patient zum Erhalt der Spritze in die Praxis kommen muss, verstärkt die Therapietreue. Die Compliance ist bei der SCIT deshalb höher als bei der SLIT - dies lässt sich anhand der Studiendaten belegen. Letztendlich kommt es bei der Therapietreue immer auch darauf an, wie der behandelnde Arzt die Patienten aufklärt, und an sich bindet.

Was versprechen Sie sich aus Sicht der GPA vom Aktionsforum Allergologie, dessen Gründungsmitglied Sie sind?

Für uns ist es ein wichtiges Anliegen, das Thema Allergie fachgebietsübergreifend in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter zu machen.

Mit dem Aktionsforum Allergologie ist den drei großen Fachgesellschaften, dem Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA), der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und uns, der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) sowie den jeweiligen Berufverbänden ein Schulterschluss gelungen. Damit können wir in Zukunft gemeinsam auftreten, um in der Gesundheitspolitik auf die Konsequenzen, die mit der "Volkskrankheit Allergie" einhergehen, aufmerksam zu machen und Dinge zu bewegen.

Gleichzeitig ermöglicht uns der Zusammenschluss eine gemeinsame Bewertung wissenschaftlicher Ergebnisse, was der Qualität in der Allergologie zu Gute kommt.  

Herr Prof. Bufe, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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