Behandlung allergischer Kinder

Prof. Dr. med. Albrecht Bufe, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) und Leiter der Abteilung Experimentelle Pneumologie der Ruhr-Universität Bochum.

Volkskrankheit Allergie: Wie werden allergische Kinder behandelt?

Das heißt, die Tatsache, dass die allergologische Versorgung von Kindern in Deutschland besser sein könnte, liegt nicht an einer mangelnden Qualifikation der Pädiater?

Selbstverständlich ist nicht jeder Kinderarzt allergologisch auf dem gleichen Stand. Durch die allergologischen Fortbildungsveranstaltungen, regionale Fachgruppen und Qualitätszirkel bieten wir jedoch ein sehr breites Portfolio, das auch intensiv genutzt wird. Die Versorgungsstrukturen sind heute da.

Dies war nicht immer der Fall. Gerade kürzlich, anlässlich des 30jährigen Bestehens der Nappa, der Norddeutschen Arbeitsgemeinschaft pädiatrische Pneumologie und Allergologie e.V., haben wir nachvollzogen, wie viel sich in den letzten 30 Jahren in der Allergologie getan hat. Vor 30 Jahren war die Qualifikation unter den Pädiatern relativ niedrig und es wurde kaum geforscht. Dies hat sich fundamental geändert.

Woran mangelt es dann aus Ihrer Sicht in Bezug auf die allergologische Versorgung der Kinder in Deutschland?

Der Qualifikationsstand der Pädiater ist unter Umständen in Bezug auf spezielle Behandlungsformen ausbaufähig – ich denke hier an die Hyposensibilisierung oder Spezifische Immuntherapie (SIT). Hier kann man sagen, dass durchaus mehr Pädiater diese Behandlung durchführen könnten.

Zwar zeigt die Studie von Prof. Wasem, Universität Duisburg/Essen, der kürzlich ein aktuelles Gutachten zur Versorgungssituation von Allergikern in Deutschland vorgelegt hat, dass die Pädiater unter den Ärzten noch diejenigen sind, die am kontinuierlichsten an der Hyposensibilisierung festhalten. Dennoch kann man sich fragen, ob nicht noch mehr Kinder und Jugendliche hyposensibilisiert werden könnten, denn diese Therapie ist aktuell die einzige, die einen Etagenwechsel von der Allergischen Rhinitis zum Allergischen Asthma verhindern kann.

Wie in allen anderen Fachgebieten auch, hat es auch bei den Pädiatern in Bezug auf die Anzahl der Hyposensibilisierungen einen Einbruch gegeben. Dies erklärt sich zum einen durch die veränderten Finanzierungsbedingungen dieser Therapieform. Die Bedingungen für eine wirtschaftliche Durchführung der Spezifischen Immuntherapie (SIT) wurden deutlich erschwert und angesichts dieser Tatsache nutzen die Kinderärzte diese Therapie sogar noch relativ intensiv.

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