Allergien: Die Rolle von dendritischen Zellen in der Mundschleimhaut

Zur Immuntherapie: Häufig wird die subkutane Immuntherapie im Vergleich zur sublingualen Immuntherapie als wirkungsvoller beschrieben. Nach den Erkenntnissen Ihrer Forschung müsste dies doch eigentlich umgekehrt sein…

Die Frage, ob die subkutane oder die sublinguale Therapie wirksamer ist, lässt sich nur durch eine Head-to-head-Studie klären. Nur mit einer solchen Studie kann man verlässlich die Wirkung von Allergietablette und Allergiespritze vergleichen. Die Studie müsste doppelblind plazebo-kontrolliert und Double Dummy durchgeführt werden. Double Dummy heißt, dass der Patient sowohl eine Tablette als auch eine Spritze erhält, es enthält jedoch nur eine Darreichungsform den Wirkstoff, die andere enthält nur das Plazebo. Aktuell sind solche Studien angedacht.

Zurück zu den dendritischen Zellen: Wenn diese in der Mundschleimhaut z.B. bei Gräserpollen eine tolerogene Immunantwort auslösen, wie erklären sich dann die im Mund stattfindenden allergischen Symptome bei Kreuzallergien?

Bei einer Kreuzallergie liegen andere Mechanismen zu Grunde. Der klassische Fall ist der Birkenallergiker, der auch auf die sehr ähnlichen Proteinstrukturen des Apfels reagiert und dann beim Verzehr allergische Symptome, wie z.B. ein Kribbeln im Mund entwickelt. Verantwortlich für diese Symptome sind jedoch nicht die Langerhans-Zellen, sondern die aktivierten Mastzellen.

Bei einer allergischen Reaktion ist die Mastzelle maßgeblich beteiligt. Darüber hinaus könnten die Mastzellen jedoch noch andere immunprotektive Funktionen haben. Man konnte feststellen, dass es eine Kommunikation zwischen den Mastzellen und den Langerhans-Zellen gibt, die zur Aktivierung der Langerhans-Zellen führt. Es wäre hochinteressant zu untersuchen, wie die Langerhans-Zellen der Mundschleimhaut reagieren, wenn die Mastzellen aktiviert werden. Die Frage, die mich dabei interessiert ist: Reagieren die Langerhans-Zellen  auf die aktivierten Mastzellen allergieprotektiv oder allergiefördernd?

Wie geht es weiter mit Ihrer Forschung an dendritischen Zellen?

Der nächste Schritt unserer Forschung ist herauszufinden, wie das Zusammenspiel der Zellen in der Mundschleimhaut genau funktioniert und wie dieses feinabgestimmte Netzwerk seinen tolerogenen Charakter entwickelt.

Wir wissen, dass die Langerhans-Zellen eine Vielzahl von Signalen aus dem Umfeld auffangen können und dann entscheiden, welche Reaktion zu folgen hat. Dabei scheint die Kommunikation mit den umliegenden Zellen im Gewebe der Mundschleimhaut von entscheidender Bedeutung zu sein. Wie diese Kommunikation genau funktioniert, wollen wir in der Zukunft untersuchen.

Ziel unserer Forschungen ist es, herauszufinden, durch welche Mechanismen man die Langerhans-Zellen so unterstützen kann, dass die allergieprotektive Immunantwort verstärkt wird. Dabei stellt sich die Frage, welche Adjuvanzien, d.h. welche wirkungsverstärkenden Hilfsstoffe, sich hierzu einsetzen lassen. Letztendlich geht es darum, diese Erkenntnisse therapeutisch zu nutzen.

Herr Privatdozent Allam, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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