Allergien: Die Rolle von dendritischen Zellen in der Mundschleimhaut

Zurück zu Ihren Forschungen, warum haben Sie sich gerade auf die Erforschung der dendritischen Zellen bzw. der Langerhans-Zellen der Mundschleimhaut konzentriert?

Es gibt eine Fragestellung, die mich schon immer fasziniert hat: In der Mundhöhle findet man über 500 verschiedene Bakterienspezies, sowohl pathogene Bakterienarten, d.h. Krankheitserreger, als auch apathogene Bakterienarten, d.h. nicht krankheitserregend. Aber: Obwohl es in der Mundhöhle häufig zu Verletzungen kommt, findet man dort so gut wie nie floride, d.h. deutlich ausgeprägte, Entzündungen. Warum ist das so?

Hinzu kommt, dass die Mundschleimhaut im Vergleich zur Haut relativ dünn ist. Deshalb wird dort eine Vielzahl von Substanzen direkt resorbiert. Allergische Reaktionen oder Ekzeme ähnlich der Neurodermitis sieht man aber in der Mundhöhle jedoch relativ selten. Wie ist dies möglich?

Zu Beginn unserer Forschungen gingen wir noch davon aus, dass eventuell unterschiedliche dendritische Zellen die Ursache für dieses Phänomen sein könnten. Mittlerweile konnten wir aber nachweisen, dass es sich bei den dendritischen Zellen der Mundschleimhaut um denselben Zelltypus handelt, wie in der Haut. Wir gingen deshalb davon aus, dass bei den dendritischen Zellen der Mundschleimhaut ein anderer regulativer Charakter vorliegen muss. Diese Überlegungen waren der Ausgangspunkt unserer Forschungen.

Welches ist die wichtigste Erkenntnis aus Ihren Forschungen an den dendritischen Zellen der Mundschleimhaut?

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die dendritischen Zellen der Mundschleimhaut einen regulativen und tolerogenen Charakter haben, d.h. sie erzeugen eine Immuntoleranz. Sie stehen in enger Kommunikation mit dem Mikromilieu ihres Umfeldes in der Mundschleimhaut und nehmen nicht nur Signale von außen wahr, d.h. von potenziellen Eindringlingen, sondern auch von den umliegenden Schleimhautzellen. Sie bilden sozusagen ein feinabgestimmtes Netzwerk, das zu einem insgesamt tolerogenen Charakter der Zellen der Mundschleimhaut führt.

Langerhans-Zellen verfügen über eine Vielzahl von Rezeptoren, auch für bakterielle Substanzen, die auf anderen Zellen zu massiven Entzündungsreaktionen führen würden. Werden diese Zellen jedoch in der Mundschleimhaut von Bakterienrezeptoren aktiviert, bleiben sie faszinierenderweise tolerogen.

Unsere nächste Frage lautete deshalb: Was passiert eigentlich, wenn die Langerhans-Zellen der Mundschleimhaut mit Allergenen konfrontiert werden?

Zeigen die dendritischen Zellen der Mundschleimhaut auch gegenüber Allergenen eine tolerogene Wirkung?

Anhand eines klassischen Allergens, dem Gräserpollenallergen, konnten wir zeigen, dass die Langerhans-Zellen das Allergen aufnehmen und in der Lage sind, im Reagenzglas eine allergieprotektive Immunantwort auszulösen.  Diese dendritischen Zellen erkennen also Allergene, prozessieren sie, d.h. verarbeiten sie und induzieren dann eine tolerogene Immunantwort.

Klinisch nachweisbar ist dieser Prozess bei Gräserpollenallergikern. Wenn man bei diesen Patienten eine sublinguale Immuntherapie auf Gräserpollen durchführt, verbessern sich die Symptome und die Therapie wirkt. Unsere Daten untermauern die zugrundeliegenden Wirkmechanismen der sublingualen Immuntherapie. Bei der subkutanen Immuntherapie sind die Wirkmechanismen noch nicht in diesem Maße erforscht, obwohl diese Therapie schon viel länger angewendet wird.

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