Allergien: Die Rolle von dendritischen Zellen in der Mundschleimhaut

Dendritische Zellen kommen unter anderem in der Schleimhaut von Mund und Nase vor und sind Teil des Immunsystems. Dringen Substanzen, Stoffe oder Organismen in den Körper ein und werden diese von den dendritischen Zellen als "Eindringling" eingeordnet, bilden sie Antigene. Dendritische Zellen haben also eine Art Wächterfunktion, denn sie initiieren eine Immunantwort, d.h. eine Abwehrreaktion des Körpers, wie dies auch bei allergischen Reaktionen der Fall ist. Bei Allergien ist diese Abwehrreaktion jedoch unangemessen, denn das Immunsystem reagiert hier ja auf harmlose Substanzen. Um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen, wurde am Universitätsklinikum in Bonn ein Forschungsprojekt gestartet. MeinAllergiePortal sprach mit Privatdozent Dr. Jean-Pierre Allam, Dermatologe am Universitätsklinikum Bonn über die Erkenntnisse des Projektes.

Herr Privatdozent Allam, es gibt viele Arten von dendritischen Zellen. Auf welche Form beziehen sich Ihre Forschungen?

Meine Forschungen konzentrieren sich auf sogenannte Langerhans-Zellen. Dabei handelt es sich um dendritische Zellen, die insbesondere in Körpergrenzstrukturen bzw. -organen wie der Haut und der Mundschleimhaut vorkommen.

Die Langerhans-Zellen funktionieren wie eine Art "Grenzkontrolle", d.h. diese Zellen entscheiden, ob ein "Eindringling" ein "Feind"  oder ein "Freund" ist. Damit entscheiden diese Zellen auch, ob dieser Eindringling unschädlich gemacht werden muss, weil er eine Gefahr für den Organismus darstellt, oder ob er toleriert werden kann. 

Übernehmen die Langerhans-Zellen, wenn sie einen Eindringling als feindlich einstufen, auch den Angriff auf diesen Eindringling, ober geben sie lediglich ein Signal, damit andere Zellen dies übernehmen?

Es gibt zwei Hauptmechanismen, die eine Rolle spielen. Zum einen kann die Langerhans-Zelle den Eindringling quasi "auffressen" und damit zersetzen. Dadurch entsteht eine Immunignoranz, d.h. ein Signal, dass hier ein Eindringling unschädlich gemacht wurde, wird nicht weitergegeben.   

Zum anderen kann die Langerhans-Zelle den Eindringling  aufnehmen und Signale an andere Zellen senden, damit diese zum Ort des Geschehens kommen und den Eindringling unschädlich machen.

Neben diesen beiden Möglichkeiten der ersten Bekämpfung des Eindringlings vor Ort kann die Langerhans-Zelle auch in die Lymphknoten wandern und dort eine andere Zellart aktivieren, die T-Helferzellen. Die T-Helferzellen aktivieren wiederum einen anderen Teil der Immunantwort, die B-Zellen und es kommt zur Bildung von Antikörpern. Diese Antikörper sind Abwehrstoffe des Immunsystems, die Eindringlinge direkt im Blut unschädlich machen können. Somit gewährleisten die Antikörper einen Schutz im gesamten Organismus und nicht nur vor Ort.

Innerhalb dieser Zellpopulation der T-Helferzellen gibt es Subtypen, die sich in TH1, TH2 und TH3 aufteilen. Diese Zellen führen dazu, dass B-Zellen unterschiedliche Arten von Antikörpern produzieren. Aktiviert die dendritische Zelle eine TH1 Antwort, produzieren die B-Zellen vornehmlich Immunglobulin G. Aktivieren die dendritischen Zellen hingegen TH2 Zellen, produzieren die B-Zellen vornehmlich Immunglobulin E oder IgE, dass bei Allergien die Symptome auslöst.

Zusammenfassend kann man sagen: TH1 Zellen produzieren IgG, verhindern damit die Bildung von IgE und wirken damit einer Allergie entgegen. TH2 Zellen führen hingegen dazu, dass es zur Produktion von IgE kommt und leisten einer Allergie damit Vorschub.  

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