Mastzeller Universaltherapie Tiergifte

Prof. Dr. Martin Metz, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin

Mastzelle: Forscher entwickeln eine Universaltherapie gegen Tiergifte

Wie sah das Versuchsszenario zur Rolle der Mastzelle im Zusammenhang mit Bienengift oder Wespengift aus und was war das Ergebnis?

Zunächst haben wir Mäusen Bienengift injiziert. Die Menge entsprach etwa der Menge, die auch bei ein bis zwei natürlichen Bienenstichen injiziert wird. Nach drei Wochen haben wir den Mäusen erneut Bienengift injiziert, allerdings dieses Mal in einer normalerweise tödlichen Dosis.

Mit unseren Versuchen konnten wir nachweisen, dass die Mäuse durch die zuerst vorgenommene Injektion von Bienengift eine IgE-vermittelte Immunantwort entwickelt haben. Nach der zweiten Injektion mit einer hochdosierten Dosis hat sich dann gezeigt, dass die Mäuse durch die erste Injektion unempfindlicher gegenüber der potenziell tödlichen Bienengiftdosis wurden.  Dafür waren u.a. die IgE-Antikörper verantwortlich, die das Immunsystem der Mäuse aufgrund der ersten Bienengift-Injektion gebildet hatte.

Insgesamt hat unsere Grundlagenforschung gezeigt, dass die Bildung von IgE eine gewisse Schutzfunktion in Bezug auf Tiergifte, wie z.B. Schlangengifte und Insektengifte  hat. Allerdings lassen sich diese Erkenntnisse nicht auf andere Allergien, wie z.B. die Pollenallergie oder Nahrungsmittelallergien übertragen.

Wie lassen sich die Erkenntnisse aus Ihren Forschungen für die Behandlung von Allergien gegen Tiergifte nutzen?

Allergien auf Tiergifte sind eine weltweit bestehende Problematik. Egal ob es sich, wie bei uns, um die Bienengift- oder Wespengiftallergie handelt, oder wie z.B. in Südamerika um die Allergie auf Ameisengift, Tiergiftallergien sind immer ein Problem.

Allerdings scheinen Tiergiftallergien in der Allergologie eine eigene Kategorie zu bilden - sie unterscheiden sich von anderen Allergien in wesentlichen Merkmalen. Z.B. besteht bei  Patienten, die auf Birkenpollen allergisch reagieren, ein hohes Risiko, auch noch andere Allergien, wie z.B. eine Hausstauballergie, Neurodermitis oder ein Allergisches Asthma,  zu entwickeln. Eine höhere Wahrscheinlichkeit, auf Insektengift allergisch zu reagieren, besteht bei Pollenallergikern jedoch nicht. Aber: Patienten mit einer Tiergiftallergie, wie z.B. gegen Bienengift oder Wespengift, tragen kein höheres Risiko für zusätzliche Allergien als Nicht-Allergiker. Auch innerhalb der Tiergiftallergien gibt es keine "Kreuzreaktionen" wie man dies von den Heuschnupfen-Patienten kennt, d.h. ein Bienengiftallergiker ist nicht auch allergisch auf z.B. Spinnengift.

Wie geht es weiter in Ihrer Forschung zu den Tiergiften?

Eine wichtige Erkenntnis unserer Forschung war ja, dass die Mastzellen Tiergifte zerstören. Deshalb  versuchen wir jetzt eine bessere Therapie zur Behandlung von Schlangenbissen zu entwickeln. Wir arbeiten primär am Thema Schlangenbisse, weil diese in Ländern wie Indien und Afrika ein großes Problem darstellen, aber prinzipiell gelten die Wirkmechanismen für alle Tiergifte.   

Konkret heißt das, dass wir die Substanzen, die aus den Mastzellen freigesetzt werden - z.B. Tryptase -  und die diese Tiergifte zerstören, für neue Therapien nutzen. Bei diesen Substanzen handelt es sich um die Proteasen aus den Mastzellen, d.h. um Enzyme, die Proteine zerstören – alle Tiergifte bestehen aus Proteinen.

Zurzeit nutzt man zur Behandlung von Schlangenbissen sogenannte Gegengifte, die aus dem Gift der jeweiligen Schlange gewonnen werden müssen. Man muss also für jede Giftschlange ein eigenes Gegengift herstellen, das dann auch nur für den Biss dieser einen Schlange wirksam ist. Wir wollen ein universelles Gegengift entwickeln dass allgemein für alle Schlangenbisse und auch für alle anderen Tiergifte eingesetzt werden kann.  

Herr Prof. Metz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!



Quellen:


1)    A Beneficial Role for Immunoglobulin E in Host Defense against Honeybee Venom, Marichal et al.,  Immunity (2013) 

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