Mastzeller Universaltherapie Tiergifte

Prof. Dr. Martin Metz, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin

Mastzelle: Forscher entwickeln eine Universaltherapie gegen Tiergifte

Mastzellen spielen eine zentrale Rolle bei der Allergieentstehung und sind ein wesentlicher Faktor beim Allergischen Schock. Mastzellen schütten Histamin aus und verursachen so die Entzündungen im Körper, die sich durch allergische Symptome bemerkbar machen. Lange wurden sie deshalb als "Bösewichte" eingestuft – im Zusammenhang mit Allergien sah man sie als Teil des Problems. Dieses Bild wandelt sich zunehmend. Forschungen haben gezeigt, dass Mastzellen nicht nur Probleme verursachen, sondern auch eine Art "Schutzfaktor" bei der Abwehr von Tiergiften sein können. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Martin Metz, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin über die Ergebnisse seiner Grundlagenforschung zur Entwicklung einer Universaltherapie.

Herr Prof. Metz, Sie haben am Mausmodell untersucht, welche Rolle die Mastzelle bei der Immunreaktion auf Bienengift spielt. Wie kamen Sie auf diesen Ansatz?

Wir sind von dem Grundgedanken ausgegangen, dass die Mastzelle sinnvolle Funktionen haben muss, auch wenn die Aktivitäten der Mastzelle sich im menschlichen Körper häufig negativ bemerkbar machen können. Dieser Grundgedanke ergab sich aus Untersuchungen, die wir in einem völlig anderen Bereich durchgeführt haben, den Bauchfellentzündungen.

Im Zusammenhang mit den Studien zu Bauchfellentzündungen sind wir auf Endothelin-1 (ET-1) gestoßen, ein Peptidhormon, das im Körper auch im Normalfall immer vorhanden ist, das bei starken Entzündungsreaktionen vom Körper jedoch häufig übermäßig  "hochreguliert" wird. So kann das Endothelin-1 toxisch werden, d.h. giftig, obwohl es sich um eine körpereigene Substanz handelt.

In unseren Bauchfellentzündung-Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Mastzellen, die ja klassischerweise als "Allergiequellen" bezeichnet werden, die Aufgabe haben, die nun toxische Substanz Endothelin-1 zu kontrollieren, indem sie sie zerstören. Außerdem stellte sich heraus, dass das Endothelin-1 baugleich mit dem Gift der Israelischen Erdviper ist. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt, ob die Mastzellen vielleicht auch zerstörend auf dieses Schlangengift wirken könnten.

In den darauf folgenden Versuchen zeigte sich, dass dies der Fall ist, die Mastzellen haben in der Tat auch das Gift der Israelischen Erdviper zerstört! Und: Auch in Versuchen mit anderen Schlangengiften zerstörten die Mastzellen die Gifte. Daraufhin haben wir auch Bienen- und Wespengift überprüft und konnten nachweisen, dass Mastzellen auch Bienen- und Wespengift zerstören. 1)

Dieses Ergebnis ist insbesondere deshalb hochinteressant, weil aus Sicht der Allergologen die Rolle der Mastzelle bei einer Allergie gegen Bienen- und Wespengift ja immer negativ assoziiert ist. Man sieht die Mastzelle üblicherweise als Teil des Problems und nicht als Teil der Lösung! Dementsprechend war die Tatsache, dass die Mastzelle vor den toxischen Wirkungen der Insektengifte schützt, eine Überraschung. Wir stellten uns also die Frage: "Könnte die Entwicklung einer IgE-Antwort, d.h. einer allergischen Reaktion, möglicherweise eine Schutzwirkung gegen die Gifte von Bienen und Wespen haben?"

Ein weiterer Aspekt, der uns darin bestätigte, hier weitere Untersuchungen anzustellen, war die Toxin-Hypothese, die 1991 von Margie Profit entwickelt wurde. Sie besagt, dass die meisten Allergene aus Quellen stammen, die entweder giftig sind, z.B. Bienengift, oder Gifte entwickeln können, z.B. Nahrungsmittel. Die Hypothese besagt weiter, dass allergische Reaktionen eine Art "Übung für den Ernstfall" darstellen, wobei mit "Ernstfall" eine wirklich hohe Dosis des Allergens gemeint ist.

Demnach wären eine Sensibilisierung auf bestimmte Allergene und in der Folge die daraus entstehenden allergischen Reaktionen auf diese Allergene eine natürliche Reaktion, die dem Organismus dabei hilft, das Schlimmste zu verhindern, wenn der Ernstfall eintritt und das Immunsystem mit einer sehr hohen Allergendosis konfrontiert wird. Die Toxin-Hypothese geht also davon aus, dass allergische Reaktionen immer Reaktionen auf Gifte oder potenziell giftige Substanzen sind. Hinzu kommt die Tatsache, dass Gifte in Säugetieren entzündliche Prozesse auslösen können bzw. auch Sensibilisierungen und eine IgE-vermittelte Immunreaktion.

All diese Gründe haben dazu geführt, dass wir uns mit der Rolle der Mastzelle intensiv beschäftigt haben.

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