Virusinfektionen Allergien

Priv.-Doz. Dr. Tobias Ankermann, Oberarzt an der Klinik für Allgemeine Pädiatrie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK-SH) in Kiel

Können Virusinfektionen die Entstehung von Allergien beeinflussen?

Gibt es Kofaktoren, die eine Atopieneigung nach Virusinfektionen begünstigen?

Ja, für die Faktoren Passivrauchbelastung, Pollenflug, und Feinstaubbelastung ist gut untersucht, dass sie Schäden an den Atemwegen durch Virusinfektionen verstärken können. Epidemiologische Untersuchungen bestätigen seit Jahrzehnten, dass die Passivrauchbelastung wahrscheinlich einer der wichtigsten Faktoren ist.

Welche Therapieoptionen ergeben sich aus dem Zusammenhang zwischen Virusinfektion und Allergieneigung?

Praktisch einsetzbare kausale Therapieprinzipien, die gut untersucht, vollständig verstanden und die generell zu empfehlen sind, gibt es zurzeit tatsächlich nicht. Eine kürzlich veröffentlichte und viel diskutierte wissenschaftliche Untersuchung, die an Neugeborenen mittels einer Antikörpertherapie gegen ein einzelnes Virus indirekt zeigen konnte, dass die Verhinderung von schweren Virusinfektionen der unteren Atemwege, die mittelfristige Wahrscheinlichkeit spätere Symptome einer Atemwegserkrankung zu haben verringert, zeigt, dass es aber grundsätzlich möglich ist, präventiv zu therapieren.

Spannend sind auch Untersuchungen mit immunmodulierenden Substanzen, Bestandteilen von Mikroorganismen oder lebenden Mikroorganismen, die die Besiedlung der Körperoberflächen, das Mikrobiom beeinflussen oder Untersuchungen mit naturheilkundlich schon lange bekannten Therapieprinzipien. Alle diese Interventionen sind aber noch nicht gut genug verstanden um sie generell zu empfehlen. Sicher wird es noch Jahre dauern, bis wir wissen, wie und welche präventiven Therapien eingesetzt werden können und wer von Ihnen wirklich Nutzen hat.

Ein vielversprechendes relativ gut untersuchtes Therapieprinzip bei schwer verlaufenden akuten viralen unteren Atemwegserkrankungen von kleineren Kindern steht mit höher konzentrierter, sogenannter hypertoner (3prozentig oder 6prozentig) Kochsalzlösung zur Inhalation über elektrische Inhalationsgeräte zur Verfügung. Dieses Therapieprinzip gilt leider zurzeit aufgrund seines Wirkungsmechanismus als Medizinprodukt und kann daher nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Es führt bei einem Teil der betroffenen Kinder zu einer Verbesserung der Krankheitssymptome und Verkürzung der Krankheitsdauer. Ob die Inhalation hypertoner Kochsalzlösung einen positiven Einfluss auf die Langzeitprognose hat, ist aber tatsächlich nicht systematisch untersucht.


Herr Privatdozent Ankermann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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