Virusinfektionen Allergien

Priv.-Doz. Dr. Tobias Ankermann, Oberarzt an der Klinik für Allgemeine Pädiatrie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK-SH) in Kiel

Können Virusinfektionen die Entstehung von Allergien beeinflussen?

Können Virusinfektionen auch die Atopieneigung beeinflussen?

Untere Atemwegsinfektionen mit Viren beeinflussen nicht im eigentlichen Sinne die Atopieneigung, also die genetische Neigung, Allergien bzw. allergische Erkrankungen zu bekommen. Diskutiert wird zwar eine Beeinflussung der genetischen Information durch virale Infektionen. Diese sogenannten epigenetischen Effekte sind aber noch nicht umfassend untersucht.

Der Einfluss der Virusinfektion beruht vor allem auf der Schädigung des Atemwegsepithels. Nach einer schweren Virusinfektion ist die Grenzfunktion der Atemwege für Wochen gestört, so dass alle Bestandteile der Atemluft stärker Kontakt mit dem Immunsystem haben. Es gibt jetzt auch erste Hinweise auf immunologische Mechanismen, die eine Verstärkung einer allergischen Entzündungsreaktion durch Virusinfektionen erklären könnten.

Zudem ist es so, dass Kinder mit einer Atopie (= genetische Neigung, = Atopieneigung) eine Abwehrschwäche gegenüber Virusinfektionen der Atemwege haben. Im Moment arbeiten viele wissenschaftliche Arbeitsgruppen an der Frage, ob Virusinfektionen Ursache oder Indikator einer Atemwegserkrankung sind.

Spielen die Häufigkeit viraler Infekte, ihre Dauer oder das Alter, in dem die Erkrankungen auftreten, eine Rolle für die Atopieneigung?

Tatsächlich wissen wir über die Häufigkeit als Einzelfaktor sehr wenig. Die vorhandenen Daten zeigen aber, dass tatsächlich die Häufigkeit unterer Atemwegsinfektionen ein Faktor für die Entstehung einer späteren allergischen chronischen Atemwegserkrankung sein kann. Die entscheidende Lebensphase, in der schwere Virusinfektionen der unteren Atemwege besondere Langzeitfolgen haben, sind wahrscheinlich die ersten drei Lebensjahre. Die Dauer ist als Einzelfaktor nicht untersucht. Schwere Virusinfektionen der unteren Atemwege hinterlassen bei Säuglingen und Kleinkindern aber Folgen an der Struktur und Funktion der Atemwege für Wochen. Viele Eltern erleben das in Form von über Wochen auftretendem Husten und immer wiederkehrenden Erkrankungsphasen.

Wie bereits erläutert, sind Effekte auf die Atopieneigung - also genetische bzw. epigenetische Effekte - im Moment Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

In welchem zeitlichen Abstand zur Virusinfektion entwickelt sich die Allergie? Ab wann lässt sich diese Entwicklung diagnostisch nachweisen?

Der Einfluss von schweren Virusinfektionen der unteren Atemwege auf die Selbstreinigungsfunktion ist mit aufwendigen Methoden mit Beginn der Erkrankung nachweisbar. Immunologische Folgen im Sinne einer "Allergieinduktion" also Veränderungen der Reaktionslage des Organismus sind wahrscheinlich erst nach Wochen nachweisbar. Tatsächlich sind solche Effekte aber auch erst in Tierversuchen oder Experimenten an isolierten menschlichen Zellen gezeigt worden.

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