MAstzellen Allergien

Priv. Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl, FAAAAI, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten am FAZ Floridsdorfer Allergiezentrum GmbH in Wien

Mastzellen - welche Rolle spielen sie bei Allergien?

Was genau spielt sich beim "Second Messenger Mechanismus" ab?

Beim Second Messenger Mechanismus wird in der Mastzelle Kalzium ausgeschüttet, wobei das Kalzium als "Second Messenger Signal" agiert. Das Second Messenger Signal führt zur Fusion der präformierten, d.h. der bereits vorgeformten, mit Tryptase und Histamin gefüllten Partikel, den Granula, die sich in der Mastzelle befinden. Konkret heißt das, diese Partikel fusionieren quasi von innen mit der Zelloberfläche der Mastzelle und werden so freigesetzt. Dieser Prozess geht sehr schnell von statten – er spielt sich innerhalb von 20 Sekunden ab. Wenn im Zusammenhang mit Allergien von der Messung des Tryptasewertes oder des Histaminwertes die Rede ist, dann sind es die gerade beschriebenen Vorgänge, die die Höhe dieser Messwerte bestimmen.

Was passiert nach dieser ersten Phase der Aktivierung?

Nach der unmittelbaren Ausschüttung von Histamin und Tryptase aus den schon vorbereiteten Granula, liegt die Mastzelle nun nicht wie der Boxer erschöpft in der Ecke des Boxrings, sondern bereitet sich auf die zweite Runde vor. Diese Aktivierung ist weniger schnell. Sie ist die Ursache der etwas weniger bekannten "verzögerte Typ 1 Allergie", ist aber ebenfalls IgE-vermittelt. Die Mastzelle beginnt nun mit Hilfe ihres Proteinsystems, neue Mediatoren zu produzieren, vor allem Leukotriene und Prostaglandine. Diese Mediatoren sind für eine Spätreaktion verantwortlich. Ein klinischer Effekt, d.h. allergische Symptome, tritt bei dieser Form der Mastzellenaktivierung erst drei bis vier Stunden nach Allergenkontakt auf, weil die Mastzelle in diesem Fall mehr Zeit zur Produktion der Mediatoren benötigt.  

Ein Beispiel: Ein Katzenallergiker wird in der Wohnung eines Katzenbesitzers mit dem Allergen der Katze konfrontiert und reagiert sofort mit einer Rhinoconjunctivitis, d.h. mit einer laufenden Nase und brennenden Augen. Der Katzenallergiker verlässt darauf die Wohnung und geht nach Hause und die Symptome verbessern sich zunächst, aber nach vier Stunden bekommt er einen Asthmaanfall – dies wäre dann eine verzögerte Typ 1 Allergie.  

Auch als Reaktion auf Stechmücken kann es zusätzlich zu den Quaddeln, die in der Regel sofort auftreten, zu solchen Spätreaktionen kommen. Bei ca. 50 Prozent der Bevölkerung kommt es, ausgelöst durch die Spätmediatoren der Mastzellen, zu Spätreaktionen in Form von starken Schwellungen an der Einstichstelle. Man spricht hier, wie gesagt, von einer "Verzögerten Typ 1 Allergie", die auch bei dem, allerdings sehr seltenen, Phänomen der verzögerten Anaphylaxie eine Rolle spielt. Dabei kann es vorkommen, dass ein Patient drei bis vier Stunden nach der erfolgreichen Behandlung eines Anaphylaktischen Schocks, erneut in einen Schockzustand gerät. Das bedeutet: Auch bei einer Typ 1 Allergie muss sich das allergische Geschehen nicht innerhalb kurzer Zeit nach dem Allergenkontakt einstellen, sondern es kann auch Stunden danach auftreten.

Auch bei der Insektengiftallergie unterscheidet man zwei Reaktionsmuster, die beide IgE-vermittelt sind. Es gibt Patienten, die auf einen Bienen- oder Wespenstich eine Soforttyp-Reaktion entwickeln, wie z.B. den Anaphylaktischen Schock. Zum anderen gibt es Patienten, die zeitversetzt großflächige Lokalreaktionen entwickeln, d.h. Spätreaktionen, die aber klinisch weitaus weniger dramatisch sind, und die keinen Anaphylaktischen Schock entwickeln.

Die unterschiedlichen Mastzellen-Prozesse, die diesen allergischen Reaktionen zu Grunde liegen, führen zu Unterschieden in der Therapie. Bei Patienten, die eine Schocksymptomatik zeigen, würde man unbedingt eine spezifische, subkutane Immuntherapie (Allergieimpfung) und einen Adrenalin-Autoinjektor verordnen, damit der Patient für den Notfall gerüstet ist – ebenso Kortison und ein Antihistaminikum. Bei Patienten mit verzögerten großflächigen Lokalreaktionen würde man weder Adrenalin verordnen noch eine Immuntherapie, sondern eher lokal wirksame Therapien.

Übrigens gibt es neben den Mastzellen auch ähnliche Zellen, sogenannte Basophilen Granulozyten. Diese sind allerdings deutlich seltener und kommen im Blut vor. Wie die Mastzelle, verfügen sie über hoch affine Fc Epsilon Rezeptoren. Ihre klinische Bedeutung bei der Entstehung des Schocks ist noch weniger klar. Sie sind aber bedeutend für die Forschung, weil sie im Gegensatz zu Mastzellen relativ leicht durch Blutabnahme von Allergikern zu gewinnen sind.

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