Bioaerosole

Frau Prof. Dr. Caroline Herr, Präsidentin der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) und Leiterin des Sachgebiets Arbeits- und Umweltmedizin, -epidemiologie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in München

Bioaerosole: Was ist das? Wo entstehen sie? Der Einfluss auf Allergien!

Sie sprachen das Thema "Konzentration der Bioaerosole" an. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Konzentration und dem Auftreten von Beschwerden bzw. dem Risiko?

Leider gibt es bzgl. der Bioaerosole bisher keine gesundheitsbezogenen Grenzwerte. Das liegt daran, dass nicht allein die Konzentration der Mikroorganismen in der Luft eine Rolle spielt, sondern auch, um welche Mikroorganismen es sich genau handelt. Hierzu fehlen beispielsweise noch fundierte Studien, die nicht nur die Konzentration der Mikroorganismen insgesamt messen, sondern auch zwischen den einzelnen Mikroorganismen differenzieren.

Mit welchen Maßnahmen lassen sich Bioaerosolimmissionen verhindern?

Man versucht das Problem schon am Entstehungsort anzugehen, d.h. in den Anlagen, die die Emissionen ausstoßen. Z.B. werden bestimmte "Wäscher" oder Biofilter eingesetzt, die die Mikroorganismen herausfiltern, bevor sie nach außen gelangen können. Ein Biofilter darf allerdings nicht zur Verschmutzungsquelle werden, hier ist auf die Qualität der Prozesse zu achten.

Bei der Tierhaltung kann man z.B. durch prozesstechnische Maßnahmen viel erreichen. Durch eine saubere Stallhaltung und den Einsatz von Feuchtesystemen, z.B. in Hühnerställen, lässt sich die Staubentwicklung sehr reduzieren und damit die Zahl der Mikroorganismen. Hierzu gibt es verschiedene Empfehlungen, z.B. vom VDI, dem Verein Deutscher Ingenieure, in Nordrhein-Westphalen gibt es einen Erlass, der den Einsatz von Filtern regelt und es gibt verschiedene Regelungen bezüglich der Betriebsbedingungen. In Hessen z.B. wurden die großen Kompostierungen vor ca. 10 Jahren "eingehaust" und mit Filtern versehen, weil die Emissionen bei offenen Anlagen wenig kontrollierbar waren.

Gibt es bundesweite Regelungen für die Emissionen von Mikroorganismen?

Nein, das Thema Emissionen wird regional geregelt, es findet aber eine stetiger Austausch über die Bund/Länderarbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) statt.

Zum Teil sind die Bedingungen in den Ländern doch recht unterschiedlich. Die Tierhaltung in Nordrhein-Westphalen mit ihren Großbetrieben unterscheidet sich doch sehr von der wenig industrialisierten Tierhaltung in Bayern.

Bei den Rückkühlwerken gibt es jetzt aber einen Vorstoß für eine bundesweite Regelung.

Welche Maßnahmen müssten von welcher Stelle ergriffen werden um das potenzielle Gesundheitsrisiko durch Bioaerosolimmissionen zu senken, auch in Bezug auf Allergien?

Da das potenzielle Gesundheitsrisiko durch Verringerung der Bioaerosolimmissionen gesenkt werden kann, sollte z.B. im Bereich der Abfallwirtschaft sicher versucht werden, jegliche Arten von Emissionen von vornherein zu vermeiden und die Prozesse schon entsprechend so aufzusetzen, dass Emissionen gar nicht erst entstehen. Auch Einhausungen und die richtige Standortwahl, d.h. in weniger dicht besiedelten Gebieten, wären für viele Anlagenarten sinnvoll.  

Bei den Tierhaltungen wäre darauf zu achten, dass die Prozesse auch bei kleineren Betrieben so gestaltet werden, dass die Entstehung von Emissionen minimiert wird. Auch von weiteren Entwicklungen in der  Filtertechnologie würde man in der Tierhaltung profitieren, denn leider gibt es noch nicht für jeden Bedarf geeignete Produkte. Der erwähnte NRW-Erlass zum Filtereinsatz regelt z.B. nur die Tierhaltung von Schweinen, weil es für die Hühnerhaltung noch keine geeigneten Biofilter gibt.

In Bezug auf die Rückkühlwerke sind die Betreiber gefordert, die Qualität ihres Wassers permanent zu kontrollieren um eine Keimentwicklung von vornherein zu verhindern. Ein Weg dahin ist bei kritischen Prozessen, z.B. bei einem Stillstand der Anlage aufgrund von Wartungs- oder Reinigungsarbeiten, entsprechend des Wartungshandbuchs "sauber" vorzugehen. Dafür ist auch qualifiziertes bzw. geschultes Personal ein wichtiger Faktor. Aus Behördensicht wäre sicher auch die Einrichtung eines Katasters sinnvoll. Aktuell weiß man nicht, wo überall sich Rückkühlanlagen befinden und das erschwert im Falle eines Ausbruchs die Koordination der Maßnahmen.

Frau Prof. Herr, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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