Bioaerosole

Frau Prof. Dr. Caroline Herr, Präsidentin der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) und Leiterin des Sachgebiets Arbeits- und Umweltmedizin, -epidemiologie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in München

Bioaerosole: Was ist das? Wo entstehen sie? Der Einfluss auf Allergien!

Bei welchen Personengruppen besteht das Risiko einer gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Bioaerosole?

Eine schädigende Wirkung von Bioaerosolen kann eine relativ breite Personengruppe betreffen.

Betroffen sind z.B. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder mit einem Immunsystem, dass zu allergischen Reaktionen neigt. Heutzutage haben viele Menschen eine Neigung zu Allergien und ein intensiver Kontakt zu Schimmelpilzen kann bei diesen Menschen dazu führen, dass sie eher eine Allergie entwickeln, als wenn sie nur selten in Kontakt kämen. Ebenso kann es bei einem Allergiker durch intensiven Kontakt mit z.B. Schimmelpilzen vermehrt zu Asthmaanfällen kommen.  

Wichtig zu wissen ist: Menschen mit einer gewissen Empfindlichkeit gegenüber Mikroorganismen und Pilzen, z.B. aufgrund eines immunologischen Problems oder weil sie gerade eine Chemotherapie bekommen, können bereits durch normale Schimmelpilzkonzentrationen gefährdet sein.

Im Zusammenhang mit Rückkühlanlagen ist z.T. von Bioaerosolemissionen die Rede? Um welche Bioaerosole handelt es sich in diesen Fällen und auf welchem Wege entstehen sie bzw. verbreiten sie sich?

Auch bei Rückkühlanlagen kann es zum Ausstoß von Bioaerosolemissionen kommen, typisch sind hier Wasserkeime, insbesondere die Legionellen. Legionellen sind ungefährlich, solange man sie z.B. isst oder trinkt. Gefährlich werden sie erst dann, wenn man sie einatmet. Insbesondere ältere männliche Raucher sind gefährdet.

Zur Entstehung von Legionellen kommt es durch die Prozesse, die in den Rückkühlwerken üblich sind. In diesen Anlagen wird Prozesswärme über einen offenen Kühlwasserkreislauf an die Umgebungsluft abgegeben. Dabei wird ein Teil des Umlaufwassers als Aerosol aus der Anlage freigesetzt. In der Anlage enthaltene Legionellen können mit ausgetragen und eingeatmet werden. Gefährdet sind nicht nur die Menschen, die in unmittelbarer Nähe solcher Anlagen leben. Nach Berichten aus dem Europäischen Ausland können sich solche Aerosole über viele Kilometer hinweg verteilen. Das liegt u.a. wahrscheinlich daran, dass Legionellen sich oft in Amöben "verstecken" und so über weite Strecken "geschützt" transportiert werden können.

Für die "Reichweite" der Legionellen spielen auch die zum Emissionszeitpunkt herrschenden meteorologischen Bedingungen eine Rolle. Faktoren wie eine Inversionswetterlage, eine hohe Luftfeuchtigkeit oder sehr niedrige Temperaturen, die für eine Art "Schockfrost" der Aerosole sorgen, können die Reichweite der Keime erheblich vergrößern.

Zu einer Austragung von Legionellen kann es aber auch bei ganz "normalen" Klimaanlagen kommen. Tatsächlich beruht die Erstbeschreibung der Legionellose auf einer Epidemie, die im Rahmen eines Treffens ehemaliger Legionäre in einem Hotel in Philadelphia auftrat. In diesem Fall war die Klimaanlage des Hotels die Ursache.

Noch eine Frage zum Verbreitungsradius der Bioaerosole: Ist nur bei den Legionellen die Reichweite so groß, oder gilt dies für alle biologischen Partikel?

Das ist stark von den Charakteristika der jeweiligen Mikroorganismen abhängig. Im Falle der Darmkeime, die bei Tierställen austreten können, geht man davon aus, dass der Verbreitungsradius gering ist. Darmkeime haben eine sehr empfindliche Hülle, die an der Luft sehr schnell zerstört wird. Hautkeime, also Keime wie sie auf unserer Haut, aber auch auf der Haut von Schweinen vorkommen, sind schon etwas stabiler und ihr Verbreitungsradius ist dementsprechend höher. Schimmelpilze, die Sporen bilden können, sind ausgesprochen stabil und ihr Verbreitungsradius ist relativ groß. Zu der Frage, wie genau die große Reichweite der Legionellen zu Stande kommt, wird noch geforscht.

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