Bedeutung einer Riechstörung

Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Müller, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Medizinischen Universität Wien

Was bedeutet es, wenn man eine Riechstörung hat?

Wie stellen Sie dann fest, was die Riechstörung verursacht hat?

Zunächst wird durch die Anamnese ermittelt, welche Symptome seit wann bestehen und welche Ursachen in Frage kommen. Dann wird der HNO-Arzt die Nase zunächst mit Hilfe eines Endoskops untersuchen. Je nach Befund, z.B. bei Verdacht auf eine chronische Sinusitis, würde dann eine Computer Tomographie (CT) durchgeführt werden. Gibt es keinen Hinweis auf einen Infekt oder ein Trauma muss man zum Ausschluss von zentralen Ursachen eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen. Hinzu kommen, wenn ein Allergieverdacht besteht, Allergietests.

Wie gravierend ist es, wenn man sein Riechvermögen verliert?

Das Riechvermögen hat einerseits eine Warnfunktion vor Gefahren, die mit einer bestimmten Geruchsentwicklung verbunden sind. Klassische Warnfunktionen betreffen z.B. Feuer, Rauch, austretendes Gas und verdorbene Lebensmittel. Aber auch bei der Körperhygiene, im sozialen Bereich und bei der unbewussten Wahrnehmung des Partners spielt das Riechvermögen eine Rolle und führt dann zu Problemen, wenn das Riechvermögen nicht vorhanden ist. Gravierende Auswirkungen hat das Riechvermögen auf Menschen, die berufsbedingt auf ihren Geruchssinn angewiesen sind, z.B. Köche, Lebensmitteltester, Menschen, die mit Wein, Tee, Kaffee etc. arbeiten. Aber auch alle, die bei der Feuerwehr oder der Polizei arbeiten, benötigen einen funktionierenden Geruchssinn.  

Der allerwichtigste Faktor bei einer Riechstörung ist jedoch die verminderte Lebensqualität, vor allem über die verminderte Wahrnehmung beim Essen. Hinzu kommen Gewichtsprobleme, denn manche Patienten mit Riechstörungen versuchen, den fehlenden Geschmackssinn durch Süßigkeiten zu kompensieren und nehmen dann an Gewicht zu. Die meisten Patienten verlieren durch ihre Riechstörung jedoch eher die Lust am Essen und verlieren Gewicht.

Wie therapieren Sie eine Riechstörung?

Die Therapie ist diagnosespezifisch, weswegen eine gute Diagnose eine wichtige Rolle spielt. Liegt die Ursache in einer Entzündung der Nase, z.B. postinfektiös, allergisch bedingt oder durch eine chronische Sinusitis, würde man versuchen, diese Entzündung zu behandeln. Bei einer chronischen Sinusitis wären dies Kortisonnasensprays und Kortisontabletten oder eine antibiotische Therapie.

Liegt eine Allergie vor würde man eine Spezifische Immuntherapie (SIT) einsetzen, denn hier hat sich anhand von Studien gezeigt, dass sich unter dieser Therapie auch das Riechvermögen verbessert.

Handelt es sich um ein rein mechanisch-konduktives Problem, gibt es operative Möglichkeiten, wie z.B. die Operation der Nasenscheidewand oder der Nebenhöhlen.

Auch bei einer Allergie kann eine Operation angeraten sein. Wenn die unteren Nasenmuscheln, d.h. die Schwellkörper, die den Luftstrom in der Nase regulieren, chronisch angeschwollen sind, wirkt sich die allergiebedingte Schwellung der Nasenschleimhaut deutlich negativer aus. Das gleiche gilt für eine vorbestehende Nasenscheidewandverkrümmung.

Gibt es auch andere Erkrankungen, die mit einer Riechstörung einhergehen können?

Hier gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die das Riechvermögen beeinflussen. Bei vielen internistischen Erkrankungen, wie Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen, Erkrankungen der Schilddrüse und Diabetes, haben Untersuchungen gezeigt, dass sie zumindest einen Beitrag zur Entwicklung einer Riechstörung leisten können.

Seit längerem ist bekannt, dass Riechstörungen Frühsymptome von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson sein können. Bei Morbus Parkinson ist sogar bei 90 Prozent der Patienten eine Riechstörung ein anamnestisches Erstsymptom, noch vor allen anderen Symptomen.

Herr Prof. Müller, herzlichen Dank für das Gespräch!

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