Bedeutung einer Riechstörung

Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Müller, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Medizinischen Universität Wien

Was bedeutet es, wenn man eine Riechstörung hat?

Wie häufig kommen Riechstörungen im Zusammenhang mit Allergischer Rhinitis vor?

50 Prozent der Patienten mit einer Allergischen Rhinitis geben an, dass sie zumindest zeitweise an Riechstörungen leiden. Konkret nachvollziehen lässt sich dies allerdings nur mit Hilfe eines Riechtests, denn wir wissen aus vielen Studien, dass die subjektive Wahrnehmung des Patienten nicht ausreichend ist, um die Riechstörung zu quantifizieren. Es gibt keine Korrelation zwischen der Selbsteinschätzung und dem tatsächlichen Riechvermögen. Dafür gibt es seit Ende der 90er Jahre, ausgehend von der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie der deutschen HNO Gesellschaft, die sogenannten Riechstifte oder Sniffin' Sticks.

Spielt es für die Ausprägung einer Riechstörung eine Rolle, um welche Allergie es sich handelt?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Patienten, die unter einer ganzjährigen Allergie leiden, deutlich häufiger ein signifikant vermindertes Riechvermögen haben, als die Patienten mit saisonalen Allergien. Bei den Pollenallergikern hingegen sind die Riechstörungen in der Pollensaison ganz besonders häufig.

Allgemein beeinflussen der Schweregrad der Allergieausprägung und die Dauer der Erkrankung auch den Schweregrad der Ausprägung der Riechstörung.

Wie wird der Riechtest zur Diagnose einer Riechstörung mit den Sniffin' Sticks durchgeführt?

Der Riechtest mit den Sniffin' Sticks setzt sich aus drei Teilen zusammen, bzw. er untersucht drei Fähigkeiten, die den Geruchssinn ausmachen:

  1. Die Riechschwelle – hier wird ermittelt, ab welcher Duftstoffkonzentration der Patient einen Geruch wahrnimmt,
  2. Die Diskrimination – d.h. wie gut kann der Patient Duftstoffe unterscheiden, und
  3. Die Identifikation – d.h. wie gut kann der Patient Duftstoffe benennen.

Anhand einer Vielzahl uns vorliegender Normdaten von über 3.000 gesunden Probanden wissen wir, wie ein "normales" altersentsprechendes Riechvermögen aussehen sollte. Riecht der Patient im Vergleich hierzu unterdurchschnittlich spricht man von einer Hyposmie, riecht der Patient gar nichts mehr nennt man dies Anosmie.

Der Riechtest ist auch deshalb sehr wichtig, weil so ermittelt werden kann, ob der Patient tatsächlich die Duftstoffe wahrnimmt, oder ob es sich nur um eine trigeminale Wahrnehmung handelt. "Trigeminal" leitet sich vom Nervus trigeminus ab, der die gesamte Nasenhöhle auskleidet und über den scharfe, brennende Anteile von Duftstoffen wahrgenommen werden. Über den Nervus trigenimus werden diese Anteile aber lediglich "wahrgenommen" und nicht wirklich "gerochen".

Duftstoffe in höheren Konzentrationen enthalten immer auch einen trigeminalen Anteil, man kennt das z.B. von Zwiebeln, Knoblauch, Menthol, Parfüms mit Alkohol etc.. Deshalb kann es vorkommen, dass selbst Patienten mit Hyposmie oder Anosmie glauben zu riechen, obwohl es sich lediglich um eine trigeminale Wahrnehmung der scharfen Bestandteile der Duftstoffe handelt.

Mit dem Riechtest messen wir also die tatsächliche Riechfähigkeit. Unabhängig von der Selbsteinschätzung des Patienten wissen wir dann, wie gut der Geruchssinn funktioniert bzw. welches Ausmaß die Riechstörung hat. Wir können anhand des Sniffin' Sticks Tests jedoch nicht sagen, welche Ursache der Riechstörung zugrunde liegt, d.h. ob Riechschleimhaut, Riechfäden oder Gehirn die Riechstörung verursachen.

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