Funktion der Nase

Prof. Dr. Ludger Klimek Leiter Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden

Wozu braucht man seine Nase?

Wie funktioniert das Riechen?

Ohne Nase kein Genuss - der Geschmack geht hauptsächlich über die Nase und was wir schmecken hängt zu 80 Prozent vom Riechvermögen ab. Lediglich die vier Grundgeschmacksrichtungen sind im Bereich Zunge und Rachen angesiedelt. Aber wie funktioniert das Riechen?

Das Riechepithel macht einen kleinen Bereich am Nasendach aus, ist aber mit einem direkten Zugang zum Gehirn ausgestattet. Eine solch direkte Anbindung an das Gehirn ist für keine andere Körperfunktion vorhanden, ein Hinweis auf die entwicklungsgeschichtliche Bedeutung des Riechvermögens. Tatsächlich übertragen wird der Riecheindruck von olfaktorischen Rezeptorzellen, welche die in der Atemluft enthaltenen Riechstoffmoleküle aufnehmen. Der Duftstoff muss dafür in direkten Kontakt mit dem entsprechenden Riechstoffmolekül aus der Atemluft kommen. Die Fähigkeit, hunderttausende Gerüche und Geruchsstoffkombinationen zu unterscheiden, wird dadurch erreicht, dass die verschiedenen olfaktorischen Rezeptorzellen, die für jeweils ein Riechstoffmolekül spezifisch sind, jeweils unterschiedliche Hormone im Gehirn aktivieren. Das dadurch entstehende Aktivitätsmuster wird vom Gehirn mit einem bestimmten Geruch verbunden.

Wer riecht wie?

Viele, auch internationale Studien, haben gezeigt, dass der Geruchssinn von Frauen besser entwickelt ist, als der der Männer. Auch junge Menschen verfügen über ein besseres Riechvermögen als alte Menschen - das Riechvermögen nimmt mit dem Alter dramatisch ab. Das hat nicht unerhebliche Folgen, denn ein Teil der Fehlernährungen, wie man sie bei älteren Menschen findet, sind auch durch den Verlust des Riechvermögens bedingt. Aber auch zwischen Rauchern und Nichtrauchern gibt es erwartungsgemäß Unterschiede. Nichtraucher riechen besser als Raucher, dies haben Studien gezeigt, und der Geruchssinn wird umso schlechter, je länger das Rauchen andauert. Hört man dann auf zu rauchen, lässt sich zumindest ein Teil dieses Verlustes wieder ausgleichen, da sich die olfaktorischen Rezeptorzellen als einzige Nervenzellen des erwachsenen Menschen teilen und regenerieren können.

Wie misst man das Riechvermögen?

Um das Riechvermögen zu messen, gibt es zum einen psychophysische Verfahren, wie die in Deutschland entwickelten Sniffing Sticks. Olfaktorisch induzierte Potentiale, d. h. durch die Riechwahrnehmung ausgelöste Reaktionen, lassen sich auch objektiv messen. Mit entsprechenden Geräten wird ein kontinuierlicher Luftstrom in die Nase gebracht und damit ein Riechstoff appliziert. Auch über bildgebende Verfahren, mit Hilfe eines funktionellen MRT lassen sich das Riechvermögen bzw. die im Test aktivierten Spots messen.

Wenn die Nase nicht mehr riechen kann

Riechstörungen sind nicht so selten, wie man dies vermuten würde. Fast 20 Prozent der Bevölkerung leidet unter einem eingeschränkten oder nicht vorhandenen Riechvermögen, in höherem Alter ist dies deutlich weiter verbreitet. Die Ursachen für Riechstörungen finden sich häufig im Bereich der Nase selbst. Bei Patienten mit einer chronischen Sinusitis leiden fast zwei Drittel der Betroffenen unter einer Einschränkung des Riechvermögens.

Auch auf Grund von Verletzungen und  bei neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson kann es zu Einschränkungen oder zum Verlust des Riechvermögens kommen. Da es bei Parkinson zu einer Degeneration des Riechkolbens kommt, wird sogar diskutiert, Riechuntersuchungen als Frühindikator für die Erkrankung einzusetzen.

Die Beschwerden, die bei riechgestörten Patienten entstehen, sind erheblich und wirken sich stark auf die Lebensqualität der Betroffenen aus. Auswirkungen gibt es auch beim Essverhalten, allerdings anders, als man dies erwarten würde, denn die überwiegende Anzahl der Patienten mit Riechstörungen nimmt an Gewicht zu.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Erkrankungen der Nase oft verharmlost und auch gesundheitspolitisch nicht den eigentlich angemessenen Stellenwert haben. Damit wird unterschätzt, dass mit diesen Erkrankungen oft Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit und auch Folgeerkrankungen verbunden sind, die sich sogar volkswirtschaftlich negativ, in Form von Fehlzeiten und den damit einhergehenden Produktivitätsverlust, auswirken können.

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