Funktion der Nase

Prof. Dr. Ludger Klimek Leiter Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden

Wozu braucht man seine Nase?

Die Nase als Klimaanlage

In der Nasenschleimhaut  befinden sich Venengeflechte, die mehr als ein Drittel der gesamten Nasenschleimhaut ausmachen, und dazu dienen, die benötigte Klimatisierung der Luft bzgl. Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt zu erreichen. So wird die Durchblutung z.B. im Liegen oder bei Abfall der Lufttemperatur hochreguliert, dann wird mehr Blut benötigt. Bei hohen Außentemperaturen hingegen, wird die Atemluft entsprechend heruntergekühlt.

Es gibt in der Nase spezielle Bereiche, die sogenannten Hot Spots, die besonders gut auf veränderte Bedingungen reagieren können. Die Hot-Spots befinden sich in den unteren, mittleren und oberen Nasenmuscheln und den Septummuscheln, ein Polster auf der Nasenschleimhaut das in den meisten Fällen am Nasenseptum lokalisiert ist. In diesen Schleimhautarealen finden überwiegend entzündliche und allergische Reaktionen und somit auch die Antwort auf die nasalen Provokationstests statt.

Der Befüllungszustand der nasalen Areale ist zyklisch, d.h. er wechselt von rechts nach links und wieder zurück. Der Zyklus vollzieht sich normalerweise in 3 bis 5 Stunden, kann aber auch nur 1 Stunde oder bis zu 12 Stunden dauern. In diesem Zeitraum findet ein kontinuierlicher Wechsel zwischen beiden Nasenseiten statt. Im Mittel ist der Gesamtfluss durch die Nase gleichbleibend, man nimmt aber an, dass der Sinn dieses Nasenzyklus darin besteht, dass dadurch eine Erholungsphase für die jeweils geschlossene Nasenseite ermöglicht wird.

Wenn die Nase "erkältet" ist

Wie kommt es nun zu Phänomenen wie der sogenannten "Erkältung", von der wir wissen, dass es sie in dieser Form gar nicht gibt? Man weiß heute, dass es sich bei einer Erkältung um eine Viruserkrankung, eine virale Rhinitis handelt. Studien haben nachgewiesen, dass eine Abkühlung der Extremitäten dazu führt, dass es in der Nasenschleimhaut zu einer Aktivierung der Klimatisierungsfunktion kommt, was durchaus der zu leistenden Abwehrfunktion entspricht. Hält dieser Zustand jedoch über einen längeren Zeitraum, d.h. länger als 5 bis 7 Tage an, kann es zu einer Verdickung des Sekretes und zu einer erhöhten Anfälligkeit für virale Infekte kommen. Grund hierfür ist wahrscheinlich die damit einhergehende herabgesetzte immunologische Abwehr.

Wenn die Nase "verstopft" ist

Letztlich ist die Klimatisierungsfunktion abhängig von einer ungehinderten Nasenluftpassage. Diese ist nicht gewährleistetet, wenn z.B. die Nasenmuscheln durch Polypen verengt sind oder wenn andere anatomisch strukturelle Einflüsse vorliegen, wie z.B. eine schief stehende Nasenscheidewand. Bei diesen Veränderungen, die hauptsächlich den Naseneingang betreffen, können operative Eingriffe Abhilfe schaffen.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Klimatisierungsfunktion der Nase sicher die wichtigste Funktion der gesunden Nase ist. Eine Nase ist gesund wenn sie in der Lage ist, Feuchtigkeit und Temperatur auszugleichen, ihre Filterfunktion auszuüben und dies bei einer ungehinderten Nasenluftpassage.

Nase und Geruchssinn – unerwartete Wechselwirkungen

Eine weitere wichtige nasale Funktion ist das Riechen.  Die Nase beeinflusst uns über die Riechfunktion in einem Maße, wie uns dies wahrscheinlich nicht immer bewusst ist. Wir wissen, dass es auch beim Menschen Pheromone (Botenstoffe) gibt, nicht nur im Tierreich. Es gibt seriöse Untersuchungen die zeigen, dass die Partnerwahl zumindest zum Teil auch vom Körpergeruch abhängt und dass hier eine unbewusste Steuerung stattfindet.  

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Boris Stuck, Klinikum Mannheim  hat untersucht, welche Einflüsse Düfte dann auf uns ausüben, wenn wir eigentlich glauben, nicht beeinflussbar zu sein, nämlich im Schlaf. Das Ergebnis: Nicht nur tagsüber beeinflussen uns Gerüche in erheblichem Maße, sondern auch im Schlaf, sie beeinträchtigen sogar unser Traumverhalten. So führen Wohlgerüche, wie z.B. Rosenduft zu angenehmen Traumerlebnissen.

Interessanterweise verfügt nicht allein die Nase über einen Geruchssinn. Auch Spermien sind mit Duftstoffrezeptoren ausgestattet, die mit denen der Nase identisch sind, und finden auf diesem Wege die Eizelle.

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