Allergischer Marsch eingreifen

Prof. Dr. Ulrich Wahn, pädiatrischer Pneumologe und Allergologe an der Charité in Berlin

Allergischer Marsch: Gibt es Indikatoren und wo kann man eingreifen?

Welche Konsequenzen ergeben sich aus diesen Erkenntnissen für die Therapie – lässt sich der Allergische Marsch aufhalten?

Für den Kinderallergologen ist es angesichts dieser Erkenntnisse das Ziel, bereits in diesem frühen Stadium, also lange vor Ausbruch der Allergie, eine Immunprophylaxe durchzuführen. Aus genau diesem Grund werden die erwähnten Studien durchgeführt - man erhofft sich aus dem Wissen über die Mechanismen der frühen Biomarker neue Therapiekonzepte. Wir wissen, dass die erfolgreiche Therapie einer bestehenden Pollenallergie, insbesondere auf Gräserpollen mit der Sublingualen Immuntherapie möglich ist. Ein Eingreifen bei positiver Testung auf die entsprechenden Biomarker wäre eine Chance auf eine sehr frühe Intervention.  

Aktuell gibt es eine Reihe von internationalen Forschergruppen, z.B. in Deutschland, Schweden und Italien, die sich mit der Möglichkeit einer Immunprophylaxe beschäftigen. Es gab auch ein gemeinsames Pilotprojekt des Immune Tolerance Network, NRH, an dem Prof. Petzold aus Perth, Australien, Prof. Sampson aus New York, USA und ich beteiligt waren. Ziel der Untersuchungen ist es, eine sublinguale Immuntherapie zu entwickeln, die bereits im Vorstadium der Erkrankung eingesetzt werden kann, also vor Ausbruch der Allergie.

Insbesondere bei Kindern, deren Eltern beide atopisch sind und die auf diese Biomarker positiv getestet wurden, wäre dies ein enormer Schritt nach vorn, denn bei diesen Kindern besteht nicht nur ein vierfaches sondern ein 20faches Risiko in den nächsten drei Jahren allergisch zu erkranken. Genau diese Gruppe hochgefährdeter Kinder wird in den Studien auf die Frage hin untersucht: Kann man mit einer präventiven SIT den Ausbruch einer Allergie verhindern.

Wann kann man mit ersten Ergebnissen aus diesen spannenden Studien zur Allergieprävention rechnen?

Im Moment ist man in der Phase der Antragsstellung. Sollten sich für diese sehr kostspieleigen Studien, die mehrere Millionen Euro kosten, öffentliche Förderer finden, evtl. auf EU-Ebene, und sollten diese Studien nächstes Jahr starten, würden sie sicher international angelegt sein. Um valide Aussagen machen zu können benötigt man eine ausreichend große Fallzahl von 500 bis 600 Kindern. Außerdem benötigt man eine lange Follow-up-Phase von fünf bis sechs Jahren. Eine Marktreife einer daraus eventuell entstehenden Therapie wäre deshalb vor dem Jahr 2020 nicht zu erwarten.  

Die Ergebnisse unserer Studie, von der wir bereits gesprochen haben, und die Dr. Laura Hatzler maßgeblich betreut hat, zeigen am Pollenmodell  sehr schön, dass der Allergische Marsch im Grunde als Allergenmarsch beginnt. Dementsprechend hat unsere Untersuchung in der Fachwelt viel Beachtung gefunden. Mit einer Publikation hierzu ist im kommenden Jahr zu rechnen.  

Herr Prof. Wahn, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

*) Molecular spreading and predictive value of preclinical IgE response to Phleum pratense in children with hay fever, Laura Hatzler, Valentina Panetta, Susanne Lau, Petra Wagner, Renate L. Bergmann, Sabina Illi, Karl E. Bergmann, Thomas Keil, Stephanie Hofmaier, Alexander Rohrbach, Carl Peter Bauer, Ute Hoffman, Johannes Forster, Fred Zepp, Antje Schuster, Ulrich Wahn, Paolo Maria Matricardi, October 2012, Journal of Allergy and Clinical Immunology Vol. 130, Issue 4, Pages 894-901.e5

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