Biologika

Prof. Dr. Harald Renz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie in Marburg

Biologika: Die richtige Therapie bei Allergien?

Welche medizischen Voraussetzungen sollten für eine Behandlung von Allergien mit Biologika gegeben sein?

Letztlich werden Biologika bei allergischen Patienten nicht als Basistherapie der ersten Wahl und der ersten Stufe angesehen. Die Mehrzahl der Patienten lässt sich durch die konventionellen anti-entzündlichen Medikamente gut behandeln und die Symptome sind kontrolliert.

Dennoch gibt es aber einen ganz erklecklichen Anteil an Patienten, die auf diese konventionelle Therapie nicht oder nicht mehr ansprechen. Für diese schwersten Patientenfälle ist es also notwendig, bessere und neue Medikamente zu entwickeln. Hier haben die Biologika ihren zentralen Stellenwert.

In jüngster Zeit wird allerdings immer deutlicher, dass eine Erkrankung wie beispielsweise das Asthma,  bei verschiedenen Patienten durch ganz unterschiedliche Fehlregulationen ausgelöst werden kann. Bei dem Einen steht die klassische allergische Entzündung im Mittelpunkt, andere Patienten haben andere Formen der chronischen Entzündung. Für diese sogenannten "Endotypen" müssen also nun maßgeschneiderte Designermedikamente entwickelt werden, die passgenau die jeweils zugrundeliegende Fehlregulation adressieren. Hier werden Biologika als maßgeschneiderte Designermedikamente ihre Positionierung erfahren. Dies muss allerdings Hand-in-Hand gehen mit der Verfügbarkeit von (Labor-)Tests, mit denen genau die Patientengruppe herauskristallisiert werden kann, die besonders von diesen maßgeschneiderten Medikamenten profitieren wird. Also: Ein Biologikum wird zukünftig nur Hand-in-Hand mit einem entsprechenden diagnostischen Test auf den Markt kommen.

In welcher Form werden Biologika verabreicht und in welcher Dosis?

Biologika können ganz unterschiedlich verabreicht werden. Es sind klinische Studien durchgeführt worden mit Inhalationen bei Asthmatikern. Häufig werden monoklonale Antikörper aber (subkutan) gespritzt, z.B. einmal pro Woche oder einmal pro Monat. Häufig handelt es sich dabei um Langzeittherapien.

Welche Erfahrungen hat man mit der Behandlung von Allergiepatienten mit Biologika? Gibt es bei den Biologika Nebenwirkungen oder sonstige Nachteile?

Die meisten Erfahrungen liegen vor bei der Therapie mit den monoklonalen Antikörpern gegen IgE (Omalizumab). Hier lernen wir jeden Monat etwas Neues durch Studien an ganz unterschiedlichen Patientengruppen, wie z.B. Asthmatikern mit verschiedenen Schweregraden, Neurodermitis, Urtikaria etc. Bei manchen Patientengruppen kommt es zu einer dramatischen Verbesserung der klinischen Symptomatik, andere Patientengruppen sprechen offenbar schlechter auf eine solche Therapie an, z. B. Neurodermitis. Dies gilt es, im Detail zu sondieren und auszuloten.

Bei der Behandlung von Rheuma soll es Patienten geben, bei denen die Behandlung mit Biologika keine Erfolge zeigt. Könnte dies bei Allergien auch so sein und wenn ja, weiß man, woran das liegt?

Natürlich spricht nicht jeder Patient gleichermaßen auf ein Biologikum an. Hier gibt es Responder und Non-Responder. Genauso wie beim Rheuma. Hier gilt es eben, exakt zu analysieren, welcher sogenannte "Endotyp" der Erkrankung zugrunde liegt, also welches Biologikum dann bei diesem Patienten auch idealerweise eingesetzt werden kann und soll. Dies alles ist aber noch weitestgehend Zukunftsmusik, wird aber in den nächsten Jahren sicherlich Standard in der Behandlung chronischer Erkrankungen sein.

Herr Prof. Renz, herzlichen Dank für dieses Interview!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.