Antibiotika Allergie

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, St. Pölten, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung im Landesklinikum St. Pölten

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Antibiotika und Allergien?

Man versucht, das Allergierisiko von Kindern allergischer Eltern mit Metabiotika zu senken. Funktioniert dies auch bei Kindern, die mit Antibiotika behandelt wurden?

Unsere Altvorderen hatten ein ganz einfaches Rezept für dieses Problem. Sie haben stets empfohlen, parallel zur Antibiotika Einnahme ein Joghurt zu essen. In einem ganz normalen Joghurt stecken sehr viele Milchsäurebakterien und diese ersetzen quasi die normale Flora des Darmes, die vom Antibiotikum zerstört wurde.

Heute hat man mit den Probiotika noch ganz andere Möglichkeiten. Man setzt nicht mehr allein Milchsäurebakterien ein, sondern Keime, die nachweislich einer Zerstörung der Darmflora vorbeugen. Dies ist durchaus ein sinnvolles Vorgehen, selbst wenn die Evidenz auch in diesem Fall nicht 100prozentig eindeutig ist. Die Darmflora ist aber selbst nach diesen optimierenden Maßnahmen nicht mehr die gleiche, wie vor der Antibiotikagabe.

Welche Rolle spielt die Anzahl der Antibiotika Behandlungen im Hinblick auf das Allergierisiko?

Man weiß, dass es eine Quasi Dosis-Wirkungsbeziehung gibt. Je mehr und je häufiger Antibiotika gegeben wird umso höher ist das Allergierisiko.

Was raten Sie den Müttern in der Schwangerschaft oder den Eltern, die sich angesichts einer ärztlichen Verordnung von Antibiotika Sorgen machen?

Am besten ist es, den behandelnden Arzt direkt zu fragen und auch zu hinterfragen, ob die jeweilige Erkrankung wirklich eine Indikation für Antibiotika ist, oder ob es Alternativen gibt. Empfiehlt der Arzt dann Antibiotika aus gutem Grund, z.B. bei einer Harnwegsinfektion, einer schweren bakteriellen Infektion, sollte man sich an die Verordnung halten. Dieses Vertrauen sollte man im eigenen Interesse haben, denn wie schon gesagt, gibt es Risiken, die weitaus gefährlicher sind als eine Allergie, z.B. schwere Folgeerkrankungen oder durchaus auch tödliche Risiken.

Aber eine viraler Infekt, z.B. muss nicht mit Antibiotika behandelt werden, hier gibt es keine Indikation. Auch präventiv, z.B. um zu verhindern, dass sich auf eine Viruserkrankung vielleicht eine Pneumonie "aufsetzt", sollten Antibiotika nicht verordnet werden. Es ist die leichtsinnige Verordnung von Antibiotika bei Banalitäten, die nicht mehr stattfinden sollte. Daran haben wir in Österreich und Deutschland zwar noch zu arbeiten, in südlichen Ländern werden Antibiotika allerdings deutlich häufiger verordnet und es gibt auch deutlich mehr Resistenzen gegen Antibiotika.

Auch die Eltern spielen eine wichtige Rolle, denn manchmal sind sie es, die sich den Einsatz von Antibiotika wünschen. Das ist häufig dann der Fall, wenn z.B. ein Kind hohes Fieber hat, welches wahrscheinlich von einer Virusinfektion herrührt und es keine Anzeichen für eine bakterielle Infektion gibt. Bei Virusinfektionen sind Antibiotika gänzlich unwirksam, eine Verordnung macht hier keinen Sinn. Die Konsequenz ist dann aber, dass die Eltern und das Kind die Virusinfektion einfach "aushalten" müssen, obwohl  sich die Eltern mit Antibiotika eher auf der "sicheren Seite" fühlen. Es ist manchmal schwieriger nichts zu verordnen, als Antibiotika zu verordnen – sowohl für die Eltern als auch für den Arzt.


Herr Prof. Zwiauer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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