Antibiotika Allergie

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, St. Pölten, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung im Landesklinikum St. Pölten

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Antibiotika und Allergien?

Welche Konsequenzen zieht man nun aus diesen Erkenntnissen?

Keinesfalls sollte man jetzt den Schluss ziehen, dass das Thema Antibiotika im Zusammenhang mit Allergien irrelevant sei. Insgesamt ergibt sich aus der Studienlage für die Ärzte die Forderung nach einem gewissen Umdenken. Der Arzt sollte gut abwägen, ob wirklich eine Indikation für die Verordnung eines Antibiotikums gegeben ist. Der Nutzen und das Risiko, eine allergische Erkrankung zu entwickeln müssen im rechten Verhältnis stehen, auch wenn es sich bei 10 bis 15 Prozent nur um geringe Prozentsätze handelt.

Sie erwähnten einen summativen Effekt: Trifft dieser summative Effekt in Bezug auf das Allergierisiko  auch auf eine Kaiserschnittgeburt zu?

Der Geburtsmodus ist nur ein Mosaikstein bei der Frage nach den Ursachen für Allergien. Die Kaiserschnittgeburt stellt eine Situation dar, die der Antibiotikagabe in gewisser Weise ähnelt. Hier ist es jedoch der Geburtsmodus, der dafür verantwortlich ist, dass das Kind mit einer anderen Keimflora besiedelt wird, als bei einer Geburt über den "normalen" Geburtsmodus. Es ist durchaus plausibel, dass dies wahrscheinlich auch ein Faktor in Bezug auf das Risiko Allergien zu entwickeln ist, auch wenn die Studienlage hier ebenfalls noch nicht 100prozentig aussagefähig ist. 

Besteht das Risiko Allergien zu entwickeln auch dann, wenn die Antibiotika Behandlungen erst im späteren Alter durchgeführt wurden?

Die Wirkung ist ähnlich, aber wahrscheinlich graduell geringer ausgeprägt. Hat sich eine gesunde Darmflora erst einmal etabliert, sind die Auswirkungen des Antibiotikums geringer als in der Phase des ersten Jahres nach der Geburt, in der sich die Darmflora grundsätzlich erst einmal entwickeln muss. Wir wissen aber auch von Erwachsenen, dass sie auf Antibiotika mit einer antibiotika-assoziierten Diarrhö oder einer schweren Durchfallerkrankung reagieren können, auch wenn die Darmflora zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebildet ist.

Lösen Antibiotika auch Veränderungen in der Darmflora aus?

Bestimmte Antibiotika, insbesondere diejenigen, die schlecht resorbiert werden, also schlecht durch den Darm aufgenommen werden, greifen direkt in die physiologische normale Darmflora ein und zerstören sie größtenteils. Man weiß, dass sich dadurch andere Keime ansiedeln und bei Allergikern findet man ja auch eine im Vergleich zu Nicht-Allergikern veränderte Darmflora.

Antibiotika verändern so die Mikroflora des Darms und dadurch auch die immunologischen Reaktionen im Darm. Sie können dadurch die Toleranzbildung gegenüber allergenen Proteinen verändern bzw. herabsetzen.

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