Antibiotika Allergie

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, St. Pölten, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung im Landesklinikum St. Pölten

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Antibiotika und Allergien?

Bakterielle Infektionen waren bis Ende des 19. Jahrhunderts der Grund für zahlreiche Todesfälle – eine Lungenentzündung konnte das Todesurteil bedeuten. Mit der Entdeckung der Antibiotika änderte sich dies schlagartig und in den 60er bzw. 70er Jahren glaubte man, bakterielle Infektionen endgültig besiegt zu haben. Dies hat sich mittlerweile geändert, denn zum einen haben sich mittlerweile Bakterienstämme entwickelt, die gegen Antibiotika resistent sind und für schwerste Infektionen sorgen. Zum anderen gibt es mittlerweile die Hypothese, dass es einen Zusammenhang zwischen dem massiven Einsatz von Antibiotika und dem massiven Anstieg von Allergien gibt. MeinAllergiePortal sprach mit Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, St. Pölten, Leiter der Kinder- und Jugendabteilung im Landesklinikum St. Pölten über den vernünftigen Umgang mit Antibiotika und eventuellen Allergierisiken.

Herr Prof. Zwiauer, welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Einsatz von Antibiotika und dem Risiko, Allergien zu entwickeln?

Zunächst ist es ganz wesentlich festzuhalten, dass Antibiotika ein Segen für die Menschheit waren und noch immer sind. Durch Antibiotika konnten und können noch immer viele Menschenleben gerettet werden. Angesichts der Gefahr an einer Lungenentzündung oder Hospitalisationsinfektion zu sterben, wird jeder Patient das eventuelle potenzielle Allergierisiko durch Antibiotika sicher in Kauf nehmen. In Teilbereichen befinden wir uns mittlerweile jedoch schon am Ende der "Antibiotika-Ära" und sehen deshalb auch deutlicher, welche Probleme durch, bzw. ohne Antibiotika auf uns zukommen. Wichtig ist es, die Antibiotika bzw. deren Nutzen und Risiken richtig einzuordnen.

Nun zum Zusammenhang zwischen Allergien und Antibiotika: Viele Studien belegen einen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Ansteigen des Antibiotikaverbrauchs und der Zunahme allergischer Erkrankungen. Ganz klar - die Prävalenzraten bei den Allergien sind genauso angestiegen wie der Pro-Kopf-Verbrauch von Antibiotika.

Wir wissen jedoch, dass wir mit solchen Zusammenhängen sehr vorsichtig sein müssen: Auch das Abnehmen der Storchen-Population korreliert mit einer sinkenden Geburtenrate, und alle wissen, dass der kausale Zusammenhang hier wohl recht gering sein dürfte. Ähnlich sieht es bei Antibiotika und Allergien aus. Auch hier muss das parallele Ansteigen von Allergieprävalenz und Antibiotikagabe nicht unbedingt in einem ursächlichen Zusammenhang begründet sein, es könnte aber einen Zusammenhang geben. Die Herausforderung für die Medizin liegt genau darin, diesen Zusammenhang zu untersuchen und zu bewerten – eine nicht so einfache Aufgabe.

Kann man sagen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass mit Antibiotika behandelte Kinder Allergien entwickeln?

Das Risiko, Allergien zu entwickeln, steigt durch Antibiotika nur um 10 bis 15 Prozent. Möglicherweise müssen jedoch Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Disposition ein erhöhtes Allergierisiko haben, mit einem noch höheren Risiko rechnen, wenn sie Antibiotika nehmen. Es gibt Untersuchungen die belegen, dass Kinder, die im ersten Lebensjahr Antibiotika einnehmen, ein höheres Allergierisiko für eine Kuhmilchallergie haben, wenn sie aus Allergiker-Familien kommen. Ein höheres Allergierisiko besteht übrigens auch dann, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Antibiotika eingenommen hat. Es scheint hier ein summatives Risiko zu geben.

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