Allergie auf Arzneimittel: Auslöser, Symptome und Maßnahmen

Welche Rolle spielen bei allergischen Reaktionen auf Arzneimittel Kreuzreaktionen zwischen zwei unterschiedlichen Wirkstoffen in unterschiedlichen Medikamenten? Gibt es Wirkstoffe, deren Kombination besonders häufig allergische Reaktionen auslöst?

Vor allem bei Antibiotika kann es zu Kreuzallergien kommen. Es gibt ca. 10 wichtige Antibiotikagruppen, die untereinander nicht chemisch verwandt sind, aber innerhalb der Antibiotikagruppen gibt es Verwandtschaften und damit auch Kreuzreaktionen. Allergische Reaktionen auf Antibiotika sollten deshalb im Allergiepass vermerkt werden. Mit dem behandelnden Arzt sollte genau abgeklärt werden, welche Antibiotika verträglich sind. Auch gibt es Medikamente, die wegen unterschiedlicher Indikationen eingesetzt werden, aber eine ähnliche chemische Grundlage haben, z.B. Sulfonamide.

Haben auch Dosierung und die Darreichungsform des Medikaments einen Einfluß?

Wenn jemand auf ein Medikament allergisch reagiert, spielt die Darreichungsform keine Rolle. Egal ob als Spritze, Zäpfchen oder Tablette – das Medikament wird eine allergische Reaktion auslösen. Allerdings spielt die Dosis durchaus eine Rolle, je höher die Dosis umso gefährlicher ist es.

Wer ist besonders gefährdet, allergisch auf Medikamente zu reagieren? Welche Risikofaktoren, genetisch oder bestehende Erkrankungen gibt es? Kann man diese vermeiden?

Es gibt viele Risikogenanalysen, insbesondere im asiatischen Raum, aus denen hervorgeht, dass es, z.B. in Bezug auf die schweren allergischen Hautreaktionen, bestimmte genetische Konstellationen gibt, die ein höheres Risiko für eine schwere allergische Reaktion mit sich bringen.  Das gibt einen Anhaltspunkt dafür, warum bei manchen Bevölkerungsgruppen auf manche Medikamente so schwere Reaktionen auftreten.

Ein weiteres Risiko besteht im individuellen Stoffwechsel. Es gibt langsame Verstoffwechsler von bestimmten Medikamenten, insbesondere Antiepileptika, die aus diesem Grunde eher Verträglichkeitsprobleme bekommen. Man merkt das allerdings erst dann, wenn das Problem auftritt. "Routine"-Vorsorgeuntersuchungen gibt es hierfür nicht.

Was sollte man als erstes tun, wenn man eine allergische Reaktion auf Arzneimittel an sich beobachtet?

Hier ist es wichtig, zwischen einer Soforttypallergie bzw. anaphylaktoiden Intoleranzreaktion und einer Spättypallergie zu unterscheiden. Bei einer Soforttypallerge besteht akute Lebensgefahr. Stellt man Symptome wie Schwellungen, generalisierten Juckreiz, Juckreiz an den Handinnenflächen, Quaddeln am ganzen Körper, Erbrechen, Durchfall, Kollaps etc. fest, muss sofort der Notarzt gerufen werden.

Bei den Spättypallergien, die erst im Laufe der Zeit entstehen, sollte man das Medikament als erstes absetzen und zeitnah einen Arzt aufsuchen. Meist verschwinden die Symptome von selbst wieder, in manchen Fällen muss aber auch ein Antihistaminikum gegen den Juckreiz bzw. Cortison zur Beschleunigung der Abheilung eingesetzt werden.

Frau Dr. Wagner, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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