Sperma Allergie

Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München

Allergie gegen Sperma: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Welches ist das auslösende Allergen und wie diagnostiziert man die Sperma-Allergie?

Lange Jahrzehnte war es unbekannt, welcher Stoff im männlichen Sperma der tatsächliche Auslöser einer Anaphylaxie bei der Frau ist. In ersten Schritten kam man zunächst darauf, dass es sich um einen Stoff aus dem Seminalplasma handelt, also nicht die Spermatozoen selbst. Unserer Arbeitsgruppe ist es gelungen, das Allergen schließlich im Seminalplasma als das Prostata-spezifische Antigen (PSA) zu identifizieren, welches ja in der Medizin in der Früherkennung und der Verlaufsbeobachtung des Prostatakrebses allgemein bekannt ist.
Zur Diagnose kann man zunächst einen Hautpricktest mit der Seminalplasmaflüssigkeit machen. Es gibt auch in-vitro Möglichkeiten, im Reagenzglas die spezifischen IgE-Antikörper gegen Seminalplasma nachzuweisen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei der Sperma-Allergie?

Die Symptome müssen sofort behandelt werden. Die Behandlung entspricht der Akuttherapie der anaphylaktischen Reaktion, wie sie nach Insektenstichen, Nahrungsmitteln oder Arzneimitteln auftreten kann. Wir verschreiben dazu unseren Patientinnen eine Hilfe zur Selbsthilfe ("Nothilfe-Set") das ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und den lebensrettenden Adrenalin-Autoinjektor enthält. Bei schweren Reaktionen ist unbedingt der Notarzt zu rufen.

Da sich die Reaktion sehr schnell entwickeln kann, und in der akuten Angstsituation oft Fehler gemacht werden, bieten wir unseren Patienten mit Anaphylaxie ein Schulungsprogramm an, das nicht nur Information über Allergie, die Mechanismen und die Symptome, sondern auch praktische Übungen mit dem Autoinjektor und den Medikamenten enthält.

Die Behandlung der Sperma-Allergie ist schwierig. Zunächst werden Karenz-Strategien empfohlen, die Benutzung von Kondomen, die aber nicht sicher einen Kontakt verhindern. Deshalb versucht man diese Frauen auch zu hyposensibilisieren. Man hat dies mit Sperma, mit Seminalplasma, über verschiedene Wege versucht. Es gibt keine großen Studien, sondern nur Einzelfallberichte. Wir sind dabei, eine allergenspezifische Immuntherapie mit dem reinen prostataspezifischen Antigen zu entwickeln; dies ist aber noch Wissenschaft und keine Routine.

Ist es für Frauen mit einer Sperma-Allergie möglich, Kinder zu bekommen?

Die wichtigste Frage vieler Frauen ist die nach der Fruchtbarkeit. Durch die Sperma-Allergie wird die Fruchtbarkeit nicht beeinflusst. Allerdings ist dies bei vielen Ehepaaren, bei denen eine Hyposensibilisierung nicht gelingt oder nicht durchgeführt wird, nur über eine künstliche Befruchtung möglich. Einige unserer Patientinnen konnten nach Hyposensibilisierung wieder ein normales Sexualleben führen, ohne allergische Reaktionen.

Herr Prof. Ring, herzlichen Dank für dieses Interview!

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