Kaiserschnitt Allergie

Prof. Dr. Matthias Kopp, Leiter des Schwerpunktes Pädiatrische Pneumologie und Allergologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKSH Campus Lübeck

Kaiserschnitt + Allergie: Beeinflusst der Geburtsmodus die Atopieneigung?

Wie sind in diesem Zusammenhang die Hydrolysat-Nahrungen zu beurteilen, die man ja bei atopiegefährdeten Kindern einsetzt?

Die hydrolysierten Nahrungen sind heute meist mit Probiotika angereichert. Man versucht damit dieses Problem zu lösen und die Besiedlung des Darms mit den Bifidobakterien zu unterstützen.

Probiotika sollen ja dazu beitragen, die fehlenden Keime im Darm aufzubauen und die Entstehung atopischer Erkrankungen zu vermeiden. Allerdings wird dies noch kontrovers diskutiert. Erhofft man sich mehr von Bakterienlysaten?

Es gibt viele klinische Untersuchungen zu Probiotika. Zu Bakterienlysaten gibt es eine Studie, die 2012 von Frau Prof. Lau aus Berlin publiziert wurde. In der Studie wurden Neugeborene untersucht, die ein erhöhtes familiäres Allergierisiko hatten. Die Kinder wurden von Beginn der fünften Lebenswoche bis zum Ende des siebten Lebensmonats mit hitzeinaktivierten Bakterienlysaten aus Escherichia coli und Escherichia faecalis behandelt. Im Hinblick auf eine Ausprägung des atopischen Ekzems gab es in der Gesamtgruppe keinen signifikanten Effekt beim Vergleich mit der Placebogruppe. Bei einer Teilgruppe der Studie, den Kindern mit einer einfachen familiären Belastung durch nur ein Elternteil, war ein Effekt zu sehen. Aus dieser Studie würde ich deshalb nicht ableiten, dass die Bakterienlysate den Probiotika überlegen seien.

Die Gruppe der Probiotika ist sehr groß und besteht aus sehr vielen unterschiedlichen Stämmen, wie z.B. Laktobazillen, Bifidobakterien etc.. Man findet deshalb in den Studien auch widersprüchliche Daten und dies führt dazu, dass Probiotika umstritten sind. Das Konzept der Probiotika ist jedoch durchaus sinnvoll und unsere Aufgabe besteht jetzt darin, den richtigen Probiotika Stamm für ein Kind so auszuwählen, dass es davon profitieren kann.  

Welchen Rat geben Sie werdenden Müttern, die eventuell mit einem Kaiserschnitt rechnen müssen?

Es gibt Gründe, die einen Kaiserschnitt unumgänglich machen. Es gibt aber auch eine gewisse Tendenz zur Großzügigkeit bei der Indikation des Kaiserschnitts. Aus Sicht der Kinderärzte ist es mir deshalb wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Kaiserschnitt-Geburt nicht der natürliche Geburtsmodus ist. Beim Kind kann es zu gesundheitlichen Problemen, wie der verstärkten Allergieneigung, kommen und daran denkt man bei der Entscheidung für einen Kaiserschnitt vielleicht nicht unbedingt.  

Herr Prof. Kopp, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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