Umweltfaktoren Allergien

Prof. Dr. Monika Raulf-Heimsoth, Leiterin des Kompetenzzentrums Allergologie – Immunologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)

Welche Rolle spielen Umweltfaktoren bei der Entstehung von Allergien?

Welche weiteren Eigenschaften des Feinstaubs sind ausschlaggebend für eine potenzielle verstärkende Wirkung auf Allergien?

Wie bereits erwähnt unterscheidet man den Feinstaub entsprechend seiner Partikelgröße. Aber auch andere Partikeleigenschaften, wie z.B. der Metallgehalt oder auch die Fähigkeit reaktive Sauerstoffspezies zu bilden, das so genannte oxidative Potenzial, und auf diese Weise mit biologischen Systemen zu reagieren, können die Effekte beeinflussen. Entzündliche Reaktionen können sich lokal im Atemtrakt ausbilden und durch lösliche Botenstoffe, die sich im Körper ausbreiten können, systemische Entzündungsreaktionen auslösen.

Sie erwähnten den "Western Lifestyle" - was genau versteht man darunter und wie beeinflusst er die Zunahme von Allergien?

Die zunehmende Häufigkeit von Allergien in den letzten Jahrzehnten gilt laut WHO nahezu für alle Länder, allerdings ist der Anstieg in den "westlich geprägten" Industriestaaten besonders auffällig. Hierfür wird der veränderten Lebensstil in den Industrieländern, den sogenannten "Western Lifestyle" ursächlich angeführt, der durch verbesserte Hygienestandards, eine Zunahme von Umweltschadstoffen, u.a. straßenverkehrsbedingte Emissionen, aber auch durch eine veränderte Ernährung und durch einen vermehrten Aufenthalt in Innenräumen beschrieben werden kann. Es ist allerdings noch unklar und Gegenstand aktueller Forschung welche dieser Faktoren starke Effekte induziert und welche eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Berufsallergien sind zunehmend ein Thema. Welche Faktoren spielen welche Rolle?

Beruflich bedingte Allergien gehören schon seit Jahren neben "Lärm" (BK 2301), "Lendenwirbelsäule" (BKen 2108, 2110), "Asbestose" (BK 4103), "Lungen- und Kehlkopfkrebs, Asbest" (BK 4104) zu den am häufigsten gemeldeten Berufskrankheiten.

Die Problematik allergischer Erkrankungen an den Arbeitsplätzen ist vielfältig, da einerseits zahlreiche Arbeitsstoffe als potenzielle Auslöser einer Allergie wirksam sein können und entsprechende Expositionsgefährdungen an zahlreichen Arbeitsplätzen vorliegen und andererseits auch Personen mit Allergien gegen Umweltstoffe, wie z.B. Pollen und Milben, und u.a. mit saisonalen Beschwerden ihre Tätigkeiten ausüben müssen. Beide Personengruppen haben gesundheitliche allergische Beschwerden am Arbeitsplatz. Darüber hinaus können bestimmte Bedingungen am Arbeitsplatz ein bestehendes Asthma noch verschlechtern.

Weit über 250 Arbeitsstoffe konnten mittlerweile als potenzielle Auslöser einer Typ 1-Allergie beschrieben werden. Unter den bestätigten Fällen einer Berufskrankheit sind nach wie vor die häufigsten Auslöser Mehle und Mehlprodukte, Stäube von Nahrungs- und Futtermitteln, sowie Labor- und Nutztierstäube. Veränderungen in Arbeitsprozessen, Einführung neuer Technologien und anderer Arbeitsstoffe können darüber hinaus zu immer neuen Allergenbelastungen und damit auch zu weiteren Sensibilisierungsquellen führen.

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