Umweltfaktoren Allergien

Prof. Dr. Monika Raulf-Heimsoth, Leiterin des Kompetenzzentrums Allergologie – Immunologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)

Welche Rolle spielen Umweltfaktoren bei der Entstehung von Allergien?

Nicht nur die Häufigkeit allergischer Erkrankungen nimmt in den westlichen Industrienationen zu. Auch in Bezug auf den Schweregrad allergischer Erkrankungen ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass neben Genetik, Ernährung und Lebensstil auch Umweltfaktoren wie Außenluftschadstoffe, Innenraumbelastungen und Exposition am Arbeitsplatz eine Rolle bei der Ausprägung von Allergien spielen. Nicht umsonst hatten die Organisatoren des diesjährigen Allergie Kongresses, der im September in Bochum stattgefunden hat "Allergie und Umwelt"  als Kongressmotto gewählt. MeinAllergiePortal sprach mit Kongresspräsidentin Prof. Dr. Monika Raulf-Heimsoth, Leiterin des Kompetenzzentrums Allergologie – Immunologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) über diese Entwicklung.

Frau Prof. Raulf-Heimsoth, welche Umweltfaktoren beeinflussen das Entstehen allergischer Erkrankungen und wie?

Nach dem heutigen Stand der Forschung sind zwei Faktoren für die Entstehung allergischer Erkrankungen verantwortlich: die genetische Prädisposition - hier handelt es sich nicht nur um eine einzelne genetische Veränderung, sondern um ein komplexes Zusammenspiel verschiedener genetischer Faktoren und hier möchte ich auch epigenetische Faktoren mit einschließen - und Umweltfaktoren. Letztere modifizieren das angeborene Risiko für die allergische Erkrankung. Die zunehmende Häufigkeit von Allergien in den letzten Jahrzehnten gilt laut WHO nahezu für alle Länder, allerdings ist der Anstieg in den "westlich geprägten" Industriestaaten besonders auffällig. Hierfür wird der veränderten Lebensstil in den Industrieländern, den sogenannten "Western Lifestyle" ursächlich angeführt.

Es ist allerdings noch unklar und Gegenstand aktueller Forschung, welche Faktoren starke Effekte induzieren und welche eher eine untergeordnete Rolle spielen. Darüber hinaus ist grundsätzlich zwischen den Stoffen zu unterscheiden, die Allergien ursächlich auslösen können - den Allergenen - und Stoffen bzw. Faktoren, die die Ausbildung von Allergien fördern bzw. die Symptome verstärken können. Luft- und Umweltschadstoffe - in der Regel sind dies niedermolekulare chemische Stoffe, z.B. Schwefeldioxid, Ozon etc., sind nach heutigem Stand des Wissens nicht in der Lage, eine Sensibilisierung zu induzieren und damit eine Allergie auszulösen, können aber den Verlauf beeinflussen. Auch sind direkte Wechselwirkungen zwischen Luftschadstoffen und Allergenen, z.B. Pollen, bekannt.

Welche Rolle spielt der Feinstaub in Bezug auf Allergien, wo entsteht Feinstaub und welche Wirkung ruft er hervor?

Unterschiedliche Studien in verschiedenen Ländern konnten zeigen, dass luftgetragener Feinstaub die Mortalität und Morbidität in der Gesamtbevölkerung und insbesondere in empfänglichen Bevölkerungsgruppen beeinflusst. Dabei sind u.a. auch Wirkungen auf den Atemtrakt mit vermehrten respiratorischen Symptomen beschrieben.

Wichtige Quellen für Feinstaub sind im Außenbereich Verkehr, Landwirtschaft, Hausbrand, Industrie und diverse Aufwirbelungen. Im Innenbereich sind dies Hausstaub, Rauchen, Kochen usw.. Feinstaubpartikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von kleiner 10 Mikrometer, können inhaliert werden und werden als inhalierbarer Feinstaub bezeichnet. Feinstaubpartikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, können auch in die tieferen Atemwege gelangen und werden als lungengängiger Feinstaub bezeichnet.

In den Atemwegen und in der Lunge können die Partikel entsprechend ihrer Größe und Eigenschaft lokale Entzündungsreaktionen hervorrufen. Obwohl in einigen tierexperimentellen Studien ein Zusammenhang zwischen allergischer Immunantwort und bestimmten Partikeln, z.B. Dieselpartikeln, gezeigt werden konnte, zeigen epidemiologische Studien keinen eindeutigen Hinweis für die Entstehung von allergischen Erkrankungen wie Asthma und Heuschnupfen durch den Partikeleinfluss. Allerdings wurde mehrfach gezeigt, dass die Belastung durch Partikel eine verstärkende Wirkung auf schon bestehende Asthma- und Heuschnupfensymptome, wie Fließschnupfen und Augentränen, hat.

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