Allergologische Ausbildung

Prof. Dr. Harald Renz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie in Marburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI)

Allergologie: Medizinische Ausbildung entspricht nicht den Anforderungen!

Wie passen Spitzenforschung und qualitativ nicht adäquate Patientenforschung zusammen?

Deutschland ist insbesondere Spitze auf den Gebieten der Grundlagenforschung, der epidemiologischen Forschung allergischer Erkrankungen und bei besonderen Therapien. Was allerdings fehlt, ist die klinische Forschung und die Versorgungsforschung. Hierbei geht es ja gerade darum zu überprüfen, ob das, was heute dem Patienten in Bezug auf Diagnose und Therapie evidenzbasiert zur Verfügung steht, auch den gewünschten Effekt hat bzw. ob diese Diagnose- und Therapiestrategien überhaupt beim Patienten ankommen.

Eine stärkere Unterstützung der Versorgungsforschung und der klinischen Forschung in Deutschland ist hier also dringend geboten - wie übrigens auch in anderen Feldern in der Medizin!

Was muss geschehen, damit die Allergologie in der Medizinerausbildung verankert wird? Wer muss was veranlassen bzw. genehmigen? Wer ist zuständig für die Einrichtung allergologischer Professuren?  In welchen Zeithorizonten muss man denken?

Zunächst zur Mediziner-Ausbildung: Die Mediziner-Ausbildung ist festgelegt durch die ärztliche Approbationsordnung und diese wird vom Bundesgesundheitsministerium erlassen. Hier die Allergologie festzuschreiben, das wäre also in der Tat eine Aufgabe des Bundesgesundheitsministers.

Die Einrichtung von allergologischen Professuren ist Sache der jeweiligen Universitäten. Hier muss man also sehr weit regional diskutieren und sich vernetzen. Insgesamt muss man einen Zeithorizont von Jahren für messbare Ergebnisse einplanen.

Welche konkreten Maßnahmen im Bereich Allergien erwarten Sie von der Politik? Bis wann? Wie und von wem wurde die positive Entwicklung in Finnland angestoßen? Wer ist zuständig für die Einrichtung nationaler Spitzenzentren, die Forschung, Diagnostik und Therapie verzahnen sollen?

Zwei wesentliche Forderung haben wir an die Politik: Zum einen brauchen wir einen nationalen Aktionsplan für Allergien. Es gilt also ein nationales Programm zu entwickeln, in dem die Aktivitäten für Prävention, also Krankheitsentstehung, Diagnose und Therapie sowie die Rehabilitation für Kinder und Erwachsene gebündelt werden.

Wir haben das Problem der Unterversorgung aus den bereits genannten Gründen, sowie den unhaltbaren Zustand, dass viele Patienten gar nicht wissen, dass sie eine Allergie haben. Zudem müssen die an der allergologischen Basisversorgung beteiligten Ärztinnen und Ärzte - in der Regel die Allgemeinmedizin, die Pädiatrie, die allgemeine Innere Medizin, etc. - so ausgerüstet werden, dass sie dieser Volkskrankheit adäquat begegnen können.

Die zweite Forderung richtet sich an die Versorgung, Ausbildung und Erforschung allergischer Erkrankungen in der Spitzenmedizin. Hier hat sich bereits auf anderen Krankheitsfeldern gezeigt, dass die Einrichtung solcher Zentren einen enormen Schub für die Erforschung, Ausbildung und Versorgung von Patienten liefern kann, z. B. bei der Krebstherapie, den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etc..

Wir fordern, dass genau solche Spitzenzentren auch in Deutschland auf die Beine gestellt werden. Dies wäre ebenfalls eine Forderung an die Bundesregierung, möglicherweise zusammen mit den Ländern. Diese Spitzenzentren sollten ausgewählt werden auf der Basis eines international begleiteten kompetitiven Wettbewerbs.


Herr Prof. Renz, herzlichen Dank für dieses Interview!

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