Allergologische Ausbildung

Prof. Dr. Harald Renz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie in Marburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI)

Allergologie: Medizinische Ausbildung entspricht nicht den Anforderungen!

Sie haben in der DGAKI einen Einbruch der Weiterbildungsaktivitäten festgestellt. Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Dieser Einbruch beruht zum Teil auf einem Mangel an Rotationsstellen zur allergologischen Weiterbildung. Wir erleben aber gegenwärtig auch eine Entwertung der Zusatzbezeichnung Allergologie. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass im ärztlichen Vergütungs- und Abrechnungssystem keine Positionen vorgesehen sind, die ausschließlich ein entsprechend weitergebildeter Allergologe durchführen darf. Im Gegenteil, die allergologischen Leistungen können im Prinzip von allen Ärzten erbracht und abgerechnet werden.

Diese Entwertung hat Konsequenzen auf der ganzen Linie: Junge Ärzte fragen sich, warum sie noch den "Allergologen" auf ihren eigentlichen Organ-Facharzt aufsatteln sollen und so kommen immer weniger Ärztinnen und Ärzte in die Weiterbildung hinein. Die Konsequenz daraus ist, dass immer mehr Versorgung in der Allgemeinmedizin durchgeführt wird und auch die schweren Fälle zunehmend weniger beim Spezialisten vorstellig werden.

Also: Immer weniger Spezialisten für immer mehr Fälle! Auch hier führt letztlich das starre System in Deutschland zu einer immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen dringend notwendigem ärztlichen Engagement für immer mehr schwer erkrankte Patienten und, auf der anderen Seite, einer dramatischen Abnahme an allergologischer Versorgung auf breiter Front.

Hinzu kommt, dass die aktuelle wirkungsvollste Therapie gegen, z.B., den Heuschnupfen, die Spezifische Immuntherapie (SIT) oder Hyposensibilisierung, die auch in den Leitlinien der allergologischen Fachgesellschaften empfohlen wird, durch das seit 2008 geltende budgetierte Abrechnungssystem der Regelleistungsvolumen erschwert wird.

Auch bietet das aktuelle Honorarsystem den Medizinern keinen Anreiz, diese aufwendige Zusatzausbildung zu absolvieren. Die Konsequenz: Immer weniger Mediziner entscheiden sich dafür, sich zusätzlich zum eigenen Fachgebiet noch als Allergologe ausbilden zu lassen.

Laut DGAKI ist Deutschland Spitzenreiter in der internationalen Allergieforschung. Woran zeigt sich das? Gibt es Optimierungspotenzial? Wenn ja, wer müsste was bis wann tun? Was spricht dagegen?

Dass die deutsche Allergieforschung eine international führende Rolle spielt, sieht man an der Zahl der Publikationen deutscher Forscher in den internationalen Spitzenjournalen. Auch als Sprecher international renommierter Kongresse sind deutsche Wissenschaftler gefragt und auch bei der Vergabe internationaler Förderungen deutscher Forschungsvorhaben sind deutsche Forscherteams gut positioniert. Allerdings kommt das Ergebnis dieser Spitzenforschung nicht bei den Patienten an.

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