Allergologische Ausbildung

Prof. Dr. Harald Renz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie in Marburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI)

Allergologie: Medizinische Ausbildung entspricht nicht den Anforderungen!

Obwohl die Anzahl der Betroffenen so stark wächst, dass Experten das Krankheitsbild "Allergie" mittlerweile als "Volkskrankheit" bezeichnen, wird die Versorgung der Allergiepatienten seit Jahren immer schlechter. Diese Aussage war während des gesamten 8. Allergie Kongresses präsent, der vom 5. bis 7. September 2013 in Bochum stattfand. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Unter anderem findet sowohl in der Ärzteschaft als auch in der öffentlichen Wahrnehmung eine Bagatellisierung der Krankheit statt. Über weitere Gründe und über die Konsequenzen sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. Harald Renz, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie in Marburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).

Herr Prof. Renz, laut Wasem-Studie zur Versorgung von Allergie Patienten in Deutschland sinkt die Zahl allergologisch behandelnder Ärzte und gleichzeitig wächst die Zahl der Allergie-Betroffenen. Wie kann das sein?

Für diese Entwicklung gibt es viele Gründe. Zum einen werden die massiven gesundheitlichen Konsequenzen der Erkrankung nicht angemessen wahrgenommen. Dies gilt für Patienten und Ärzte gleichermaßen.

Die Ursachen hierfür liegen aber auch in der Organisation des Fachgebietes Medizin insgesamt. Die Allergologie ist in Deutschland kein eigenes Fachgebiet und im medizinischen Curriculum, d.h. in der Grundausbildung der Medizinstudenten, ist die Allergologie bislang noch nicht verbindlich verankert. Ob die Studenten im Verlauf ihrer Ausbildung mit dem Thema Allergie konfrontiert werden, hängt daher von Zufall ab. Ausschlaggebend ist, ob es am jeweiligen Standort einen Lehrstuhl für das Fach gibt – und es fehlt an allergologischen Professuren in Deutschland - oder ob der Medizinstudent sich aus eigenem Antrieb für Allergologie interessiert.

Wie erfolgt dann die Ausbildung zum Allergologen? Wie lange dauert sie? Wie viel Aufwand steckt dahinter bzgl. der investierten Zeit und der Prüfungen?

Die Bezeichnung "Allergologe" ist in Deutschland eine Zusatzqualifikation, die Mediziner zusätzlich zu ihren jeweiligen Fachgebieten erwerben können. Dazu zählen überwiegend Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Lungenfachärzte, Hautärzte und Kinderärzte.  

Die Allergologie ist eigentlich eine Querschnittsdisziplin. D.h. es kommen zum Dermatologen auch Patienten mit zusätzlichen Lungenbeschwerden und umgekehrt zum Lungenfacharzt auch Patienten, die zusätzlich Hautbeteiligungen haben, usw.. Der Grund dafür liegt in der "Systemerkrankung" des Immunsystems, welcher den Allergien zugrunde liegt. Diesem Querschnittscharakter wird allerdings die Ausbildung bzw. Weiterbildung nicht gerecht. In der Realität es ist so, dass der Dermatologe sich beim Dermatologen weiter qualifiziert, der Lungenarzt bei einem Lungenfacharzt, etc.. Daher brauchen wir vielmehr ein fächerübergreifende Ausbildung, z. B. in den Kliniken, Rotationstellen oder auch entsprechende Stellenkontingente in großen Gemeinschaftspraxen.

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