nationaler Aktionsplan Allergie

Diskutierten unter der Leitung von Moderator Martin von Berswordt-Wallrabe (mitte) über Pflichten und Aufgaben im Bereich Allergie: PD Kirsten Jung, Dr. Frank Friedrichs, Dr. Roman Schiffner, Elke Alsdorf, Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Prof. Dr. Wolfgang Wehrmann, Dr. Klaus Strömer, Dr. Petra Bubel, Norbert Mülleneisen und Prof. Harald Renz (v. li.) (Foto: Stefan Kuhn)

Deutsche Allergologen fordern nationalen Aktionsplan Allergie

Bochum, im September 2013. Allergische Erkrankungen haben sich zur Epidemie des 21. Jahrhunderts entwickelt mit weltweit mehr als 300 Millionen Betroffenen. 30 Prozent aller Bundesbürger leiden mindestens einmal im Leben an einer allergischen Erkrankung, jedes dritte Neugeborene kommt mit einem Allergierisiko auf die Welt. Die Zahlen sind besorgniserregend. Trotzdem verfügen nur 1,5 Prozent der deutschen Ärzte über allergologische Fachkenntnisse, denn ihr Erwerb ist im Medizinstudium nicht verbindlich vorgeschrieben. "Die Versorgungsschere klafft immer weiter auseinander", warnt deshalb das Aktionsforum Allergologie, das am Samstag, 7. September, um 12.30 Uhr mit einer Podiumsdiskussion zum Abschluss des 8. Deutschen Allergiekongresses aus der Taufe gehoben wurde.

"Allergien sind zur Volkskrankheit geworden. Obwohl sie tödlich verlaufen können, werden sie vielfach bagatellisiert", sagt Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Direktor der Universitätskinderklinik Bochum, Kongresspräsident und Mitinitiator des Aktionsforums Allergologie. Es erfülle die allergologischen Fachgesellschaften mit "allergrößter Sorge", dass Fortschritte, die in Deutschland zum Wohle der Patienten erarbeitet würden, nicht bei den Betroffenen ankommen. Das aktuelle Gutachten zur Versorgungssituation von Allergikern von Prof. Dr. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg/Essen, basierend auf 40 Millionen Patientendaten, liefere endlich eine fundamentale Datenlage zu diesem Thema. Eines der wichtigsten Ergebnisse betrifft das Asthma, die schwerste allergologische Erkrankung an der Lunge. Die Wasem-Studie belegt eine dramatische Zunahme an Asthma-Patienten innerhalb der Jahre 2007 bis 2010 um zehn Prozent in Deutschland. Damit verbunden ist jedoch eine  Abnahme von 6 Prozent bei der besten Therapie, die für die Asthma-Erkrankung zur Verfügung steht.

Betroffene müssen Allergierisiko kennen

Die alarmierenden Zahlen führten zur Gründung des Aktionsforums Allergologie als übergreifende Interessensgemeinschaft.  Drei allergologische Fachgesellschaften - die DGAKI, die AeDA und die GPA - haben sich darin mit ärztlichen Berufsverbänden zusammengeschlossen, um das Wissen über Allergierisiken, die Möglichkeiten der Behandlung und die Erarbeitung einer gemeinsamen, bundesweiten Präventionsstrategie stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. Prof. Hamelmann: "Es wird höchste Zeit, dass wir uns gemeinsam dieser gesundheits- und gesellschaftspolitischen Herausforderung stellen. Wir brauchen einen nationalen Aktionsplan Allergie, wie er in Finnland bereits erfolgreich umgesetzt wird. Mit der Gründung des Aktionsforums haben wir einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan." Einen ersten Erfolg konnte das neue Aktionsforum bereits für sich verbuchen. Bei der Eröffnung des 8. Deutschen Allergiekongresses machten die Allergologen Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert auf die dramatische Entwicklung in der Behandlung allergischer Erkrankungen in Deutschland aufmerksam. In seinem Grußwort richtete DGAKI-Präsident Prof. Dr. Harald Renz klare Worte an den Gast aus Berlin: "Es erfüllt mich mit Sorge, wenn ich die Programme der großen Parteien zur Bundestagswahl in Bezug auf die Gesundheitspolitik sehe. Da findet man leider sehr wenig zu unserem Thema. Die Piratenpartei hat dazu zum Teil mehr zu bieten als die großen Volksparteien. Wenn über Gesundheitspolitik überhaupt geredet wird, wird nur über Geld geredet, über das Verschieben von Geldströmen vom einen Sektor in den anderen Sektor. Das ist erschütternd, denn über die Qualität der Versorgung in Deutschland wird nicht mehr geredet. Wir brauchen aber dringend eine Diskussion zur Qualität der gesundheitlichen Versorgung unserer Bevölkerung." Der Appell kam an. Der Bundestagspräsident bot den Medizinern seine persönliche Unterstützung an und sagte zu, die Informationen aus Bochum an die maßgeblichen Stellen in Berlin weiterzuleiten.

Nachwuchsärzte für Allergologie gewinnen

Auf der Podiumsdiskussion, die am 7. September den Allergiekongress in Bochum beschließt und gleichzeitig einen Blick in die Zukunft wirft, stellt das Aktionsforum Allergologie weitere Forderungen öffentlich vor. Besonderes Augenmerk legen die Allergologen auf Patientenaufklärung über Behandlungsmöglichkeiten und Risiken von unbehandelten Allergien. Neben der Erarbeitung einer gemeinsamen, bundesweiten Präventionsstrategie für die Volkskrankheit Allergie geht es ihnen um das Aufzeigen von Lösungen, um das wachsende Nachwuchsproblem bei Allergologen zu beheben. Darüber hinaus sollen Konzepte für eine medizinisch und wirtschaftlich sinnvolle Behandlung allergischer Erkrankungen entwickelt werden.

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