Allergiepatienten in Deutschland dramatisch unterversorgt

Allergologische Ausbildung darf nicht Zufall sein

Vor einer "dramatischen Unterversorgung" von Patienten mit allergischen Erkrankungen warnt auch die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). DGAKI-Präsident Prof. Dr. Harald Renz: "Es fehlt nach wie vor eine verbindliche Verankerung der Allergologie im Medizinstudium. Es bleibt heute dem lokalen und regionalen Zufall überlassen, ob ein Medizinstudent im Bereich der Allergologie ausgebildet wird oder nicht." Darüber hinaus stellt die DGAKI aktuell einen bedenklichen Einbruch in Bezug auf qualifizierte Weiterbildungsaktivitäten im Bereich der Allergologie fest. Dies beruhe zum Teil auf einem Mangel an Rotationsstellen zur allergologischen Weiterbildung, zum anderen fehlen in der Spitzenmedizin allergologische Professuren in Deutschland.

Allergien nicht verharmlosen

Das kann besonders für erkrankte Kinder gefährliche Folgen haben. Fast jeder zweite Jugendliche in Deutschland hat heute ein erhöhtes Risiko für eine spätere allergische Erkrankung. Bereits heute sind 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von einer Allergie betroffen. "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es sich bei allergischen Erkrankungen um lästige, aber eher harmlose Erkrankungen handelt. Allergien gegen Insektengift oder Nahrungsmittel können lebensbedrohlich sein", sagt Prof. Dr. Carl-Peter Bauer, Vizepräsident der Gesellschaft für pädiatrische Allergologie (GPA). Leider würden Kinder oft falsch oder untertherapiert, besonders in Notfallsituationen. Bereits mit der Geburt bzw. im frühen Kindesalter müsse die Prävention beginnen, so Prof. Dr. Bauer: "Nach wie vor ist als erste Maßnahme das ausschließliche Stillen in den ersten vier Lebensmonaten zu nennen."

Aktionsforum Allergologie gegen Versorgungsdefizit

Für die Spitzenverbände der Allergologie signalisieren die Ergebnisse der Versorgungsstudie dringenden Handlungsbedarf, um das Versorgungsdefizit dauerhaft zu beenden. Ein erstes Ergebnis ist die Gründung der ersten übergreifenden allergologischen Interessengemeinschaft unter der Bezeichnung „Aktionsforum Allergologie“. Zusammengeschlossen sind hier  wissenschaftliche Gesellschaften, Berufsverbände und Industriepartner. Zum Abschluss des 8. Deutschen Allergiekongresses stellt sich das neue „Aktionsforum Allergologie“ erstmals der Fach- und Medienöffentlichkeit vor. Mit einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Quo vadis Allergologie?“ soll eine erste Standortbestimmung der Allergologie vorgenommen werden. Am Ende sollen klare gesundheitspolitische Botschaften als zentrale Forderung der deutschen Allergologen formuliert und veröffentlicht werden.

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