Allergien Unverträglickeiten Psyche

Dipl oec. troph. Sonja M. Mannhardt, Gesundheitsmanagement, Schliengen

Allergien, Unverträglichkeiten, Psyche? Wenn Menschen „unverträglich“ reagieren…

Wie reagieren Patienten, die glauben die Ursache ihrer Beschwerden zu kennen, auf diese Überlegungen? Wie muss der Patient sich an der "Spurensuche" beteiligen?

Da ich mit dem Patienten klientenzentriert arbeite und mehr Fragen stelle, als Antworten gebe, sind es meist die Patienten selbst, die mit den eigentlichen Problemen herausrücken, sobald sie Vertrauen zu mir haben und darauf vertrauen können, dass diese "anderen" Themen bei mir in guten Händen sind.

Auch bei Patienten, die glauben die "Ursache" zu kennen, erlebe ich es häufig, dass sie ganz erleichtert sind, wenn sie merken, dass ihr Wohl gar nicht alleine an einzelnen Lebensmitteln hängt. Der österreichische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagte dazu: "Manchmal ist es besser, die Lösung nicht dort zu suchen, wo das Problem liegt."

Auf jeden Fall beteiligen sich die Patienten bei mir sowohl an der "Spurensuche", als auch an der Lösungsfindung. Beratung ist Hilfe zur Selbsthilfe, keine Wissensvermittlung. Ohne einen Alltagstransfer an dem der Klient aktiv beteiligt ist, ist die Beratung nicht beendet, denn Wissen ist nicht gleich Können und Können noch lange nicht Tun. Und da der Mensch ein ganzheitliches Wesen ist, reichen ein paar Tipps, Tricks, Ratschläge oder Lebensmittelverbotslisten einfach nicht aus - ganz zu schweigen davon, dass viele Probleme damit nur zugedeckt würden…

Stress, Druck im Beruf und Schwierigkeiten in der Partnerschaft sind ja keine seltenen Phänomene. Wo setzten Sie die Grenze zwischen "normalen" Problemen und Problemen, die körperliche Symptome auslösen können? Wie merkt der Patient das selbst?

Es gibt kein Leben, das immer "rund" läuft. "Ich vertrage dies und das und jenes nicht"-Phasen gibt es immer mal wieder. Ab wann ein Mensch auch somatisch reagiert, ist ganz unterschiedlich – manche früher, manche später. Selbst ein "verliebt sein" kann ja eine Appetitlosigkeit auslösen und eine Trennung ebenfalls.

Ob es einem Menschen noch "gut geht" oder  nicht, das merkt er sehr wohl. Die Frage ist, ob er das auch ernst nimmt und spätestens dann, wenn er sich selbst schadet, auch Hilfe sucht. Gerade bei Phänomenen mit vielen unspezifischen Symptomen merke ich sehr häufig, dass die Leute viel zu lange warten, bis sie Hilfe suchen oder gefunden haben - der Mensch kann lange verdrängen. Oder die Menschen suchen Hilfe, insbesondere Frauen, doch weil die Diagnostik bei komplexen Phänomenen - ein bisschen Psyche, ein bisschen Körper, unspezifische Symptome etc. so schwierig ist, bekommen viele Frauen die falsche Hilfe, häufig in Form von Medikamenten wie Psychopharmaka, Schlaftabletten, Durchfallmittel, Verstopfungsmittel etc..

Für den Patienten ist das Wichtigste, dass er in dem Moment, wo er merkt "So kann das nicht weitergehen, mir ist nicht gut, ich fühle mich nicht mehr wohl" Hilfe holt bei einer Person seines Vertrauens:

  • Glaubt er an eine körperliche Ursache, ist sein erster Gang wahrscheinlich zum Hausarzt.
  • Glaubt er an eine Unverträglichkeit oder Allergie, so kann er auch eine Beratung bei einer Ernährungstherapeutin in Anspruch nehmen.
  • Spürt er die „psychische Komponente“ so  kann er sich direkt an einen Psychologen wenden, was dann aber meist eine genaue körperliche Diagnostik ausschließt.
  • Und manchmal hat man einfach "Flöhe und Läuse", sprich, z.B. Burnout und eine passagere Unverträglichkeit oder Schwierigkeiten mit einer Trennung und eine Zöliakie.
  • Oder der Patient hat jemanden in seinem Umfeld, der Menschen ganzheitlich berät, bei dem man zunächst einmal seine "vertrage ich nicht"-Geschichte deponieren kann und der in der Lage ist, im rechten Augenblick auch andere Fachdisziplinen zu Rate zu ziehen.

Frau Mannhardt, ich danke Ihnen für das Gespräch! 

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