Allergieforschung

Prof. Dr. med. Oliver Pfaar, HNO-Facharzt, Allergologe und wissenschaftlicher Leiter am Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden

Allergieforschung: Neue Allergie-Therapien, Studien, Ergebnisse

Ganz klar: Für den erfolgreichen Abschluss einer Studie ist selbstverständlich die Mitarbeit von gut motivierten Patienten von größter Bedeutung. Diese Motivation ist nur zu erreichen, wenn Patienten auch ganz klar über die Vorteile informiert werden und wir den an uns gesetzten Anspruch erfüllen können.

Als erstes haben Patienten die Möglichkeit, in klinischen Studienprogrammen neue Medikamente zu erhalten, welche sie in einer regulären Praxis erst circa 10 Jahre später erhalten würden. Ich erinnere mich gerne an eine Stern TV-Sendung vor 4 Jahren, als die Vorteile und Wirksamkeit der sublingualen Immuntherapie mit Gräser-Tabletten, an deren klinischer Überprüfung wir beteiligt waren, vorgestellt wurde. Das war wirklich neu und dementsprechend groß war auch das mediale Interesse! In den folgenden Tagen bekam ich zahlreiche Emails und Anrufe von meinen Patienten, die an diesem Studienprogramm teilgenommen hatten und jetzt sehr froh waren, dieses Medikament bereits 5 Jahre früher (kostenfrei !) bekommen zu haben, als es dann auf den Markt kam bzw. die Medien über diese "Revolution" berichteten. Ich denke, diese Erfahrungen werden ich und unsere Patienten in der Zukunft sicherlich wieder machen!

Die ärztliche Betreuung und die diagnostischen Verfahren bei der Teilnahme an Studien grenzt sich sicherlich klar von dem ab, was ich an Leistungen als Patient in einer "normalen" Praxis erwarten darf. Patienten, die an einer klinischen Studie teilnehmen, erhalten wirklich eine VIP-Behandlung: Wartezeiten gibt es bei uns keine, von der üblichen Praxisroutine können wir uns ganz klar unterscheiden durch ausreichend Zeit, Ärztekontakt und Aufmerksamkeit, die Studienpatienten bei uns bekommen. Für jeden bei uns im Team – Ärzte wie Studien-Assistenten - ist klar, dass wir unseren Studienpatienten einen besonderen Service bieten müssen: sie sind unser "Kapital"!

Apropos "Kapital": In den meisten Studien erhalten die teilnehmenden Patienten auch eine Aufwandsent-schädigung z.B. für die entstanden Fahrtkosten oder den Arbeitsausfall. Diesen Punkt erwähne ich aber in den Gesprächen mit unseren Patienten immer als letzten, denn ein "finanzielles" Interesse sollte meiner Meinung nach in der Motivationsliste der Patienten ganz unten stehen.

Einige Allergie Studien werden doppelblind-placebo-kontrolliert durchgeführt. Was ist damit gemeint?

Die Studien werden doppelblind-placebo-kontrolliert durchgeführt, weil man vermeiden will, dass die Ergebnisse durch eine gewisse Voreingenommenheit verfälscht werden. Eine Gruppe der Studienteilnehmer erhält deshalb den neuen Wirkstoff (neben den üblichen antiallergischen Medikamenten), und eine zweite Gruppe (zusätzlich zu den üblichen antiallergischen Medikamenten) ein Placebo, d.h. ein Scheinmedikament, das z.B. aus Zucker oder Stärke besteht und keinerlei Wirkung hat. Weder die Studienteilnehmer noch der Studienleiter oder die Studien-Assistenten wissen, wer zu welcher Gruppe gehört. So stellt man sicher, dass die Studienergebnisse ohne Beeinflussung, d.h. objektiv ermittelt werden. Nur durch ein solches, relativ aufwendiges Verfahren kann man am Ende sagen, wie ausgeprägt die Wirksamkeit der neuen Medikamente zu "Allergie-Impfung" wirklich sind.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.