Allergologie im Kloster 2017

Kongresspräsident Prof. Ludger Klimek!

Allergologie im Kloster 2017: Von der Forschung zur Praxis II

Erstklassige Referenten, neue Erkenntnisse der allergologischen Forschung zu Diagnostik und Therapien und eine Fülle von Anregungen, die sich direkt in die klinische Praxis umsetzen lassen, das bot die 14. Veranstaltung „Allergologie im Kloster 2017“. Für die in diesem Jahr erstmals zweitägige Veranstaltung konnte Kongresspräsident und Initiator Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden einen Besucherrekord vermelden. Hier der zweite Teil des Kongressberichtes!

Atopische Dermatitis – Neurodermitis: Kann man sie verhindern?

prof petra staubach renz neurodermitisProf. Petra Staubach-Renz zu neuen Neurodermitis-Therapien!In unterschiedlichen Studien wurde untersucht, welche Einflüsse bei der atopischen Dermatitis entweder protektiv oder begünstigend wirken können. „Die Ergebnisse bestätigen einmal mehr die zunehmende Erkenntnis, dass zu viel Hygiene mehr schadet als nützt“ betonte Professor Dr. med. Petra Staubach-Renz, Leiterin der Urtikaria und Angioödem-Sprechstunde der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. So hat man z.B. entdeckt, dass Kinder, deren Mütter den heruntergefallenen Schnuller abschlecken im Vergleich zu Kindern, deren Mütter den Schnuller gründlich reinigen, seltener Neurodermitis entwickeln. Auch wurde bei Menschen, die den Abwasch per Hand erledigen, wesentlich weniger häufig eine Neurodermitis diagnostiziert, als diejenigen, die Geschirrspüler benutzen.     

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Atopische Dermatitis – Neurodermitis: Prävention: Die Hautbarriere durch Basistherapie stärken

Die sehr trockene Haut von Patienten mit Neurodermitis kann zu einer Schwächung der Hautbarriere führen und ermöglicht das Eindringen von Bakterien oder Allergenen. Die Stärkung der Hautbarriere durch feuchtigkeitsspendende Cremes mit  zum Beispiel Glyzerin  sind sinnvoll in der  Neurodermitis-Therapie,  Reine Fetthaltige Salben wie z.B. Melkfett oder reines Olivenöl sind hingegen nicht geeignet. „Wichtig ist, dass die Cremes angenehm riechen, damit die Patienten sich auch gerne täglich versorgen“ betonte Professor Staubach-Renz. Hier ist auch die Dosis entscheidend. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass z.B. ein 12-jähriges Kind für zweimal tägliches Eincremen ca. 250 g Creme pro Woche benötigt. Zudem sollte auf den pH-Wert der Produkte geachtet werden. Gerade mit zunehmendem Alter verschiebt sich der pH-Wert der Haut in Richtung „basisch“, man sollte in jedem Alter eine pH-neutrale Behandlung anstreben.

„Generell ist es für Atopiker sinnvoll, die Hautbarriere präventiv zu stärken, auch wenn sie an Heuschnupfen oder Asthma erkrankt sind, und nicht an Neurodermitis“, so P  Staubach-Renz weiter. Dies stützt auch das Ergebnis einer internationalen Studie an Kindern von Eltern mit Atopien. Ein Teil der Säuglinge bekam von Geburt an eine tägliche Basistherapie und entwickelte nach sechs Monaten bis zu 50 Prozent weniger Neurodermitis als die Vergleichsgruppe.

Ob die Gabe von Vitamin D eine unterstützende Maßnahme bei Neurodermitis sein könnte wird kontrovers diskutiert und in größeren Studien untersucht. Ausgangspunkt der Diskussion ist, dass man bei chronisch Erkrankten häufig einen erniedrigten Vitamin D-Level findet, so dass es Überlegungen gibt, ob eine Vitamin D-Substitution einen positiven Effekt auf die Neurodermitis haben könnte. Gleichermaßen könnte sich die Gabe von Melatonin positiv auf die atopische Dermatitis auswirken. „Eine Studie an Kindern konnte zeigen, dass sich das Hautbild und die Schlafqualität unter einer Melatonintherapie verbesserten“ so Professor Staubach-Renz.

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Neurodermitis – atopische Dermatitis: Karenz und Emollienzien-Therapie

prof johannes ring atopische dermatitisProf. Johannes Ring zur Emollienzien-Therapie der atopischen Dermatitis!Ergibt die Diagnose, dass bestimmte Allergene die Auslöser für Neurodermitis- Schübe sind, werden Karenzmaßnahmen empfohlen. Diesebeschränken sich häufig auf das Meiden bestimmter Nahrungsmittel. Vergessen wird oft, dass bei der atopischen Dermatitis auch Hausstaubmilben und Irritanzien, wie z.B. Kleidung, Reinigungsmittel und die Wasserhärte eine Rolle spielen können, weshalb hierauf ein besonderes Augenmerk liegen sollte.

„Ebenso kann man mit Emollienzien, richtig angewendet, bei der atopischen Dermatitis eine sehr gute Symptomkontrolle erreichen“ erklärte Prof. Ring, Dermatologie, Allergologie-Umweltmedizin, Haut- und Laserzentrum an der Oper in München. Wie Studien gezeigt, haben, hilft bereits die Applikation von Vaseline dabei, die Hautbarriere zu stärken. Das gleiche gilt für fett-feuchte Verbände, die für einige Stunden auf der Haut belassen werden. Dabei wird die Haut mit einer Basispflege eingecremt und dann mit einem feuchten und schließlich mit einem trockenen Tuch abgedeckt. Der antientzündliche Effekt der fett-feuchten Verbände ist oft so gut, dass eine Kortisongabe nicht mehr nötig ist. Ein positiver Nebeneffekt der fett-feuchten Verbände ist der Kratzschutz. Gleichermaßen erzielt man mit Glyzerin bei neurodermitischer Haut eine gute Wirkung, insbesondere in Verbindung mit Harnstoff, der zu einer Herunter-Rlation von Filaggrin führt. 

 

 

“Eine gewisse Renaissance könnte Steinkohlenteer erleben, eine schwärzliche Masse, die antientzündlich und antiseptisch wirkt“ so Prof. Ring. Zwar hat Steinkohlenteer einen eigenen, unangenehmen Geruch und verschmutzt die Wäsche, wirkt aber gut und kann ebenfalls helfen, Kortison zu vermeiden. Auch für Nachtkerzenöl und Gamma-Linolensäure konnten Studien eine Stärkung der Hautbarriere und eine lindernde Wirkung beim atopischen Ekzem nachweisen. Individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittene Emollienzientherapien könnten in Zukunft eine größere Rolle bei der Behandlung des atopischen Ekzems spielen.

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