Allergien – Maßnahmen und neue Therapien

Neurodermits (Atopisches Ekzem), Nahrungsmittelallergie, Pollenallergie, allergisches Asthma bronchiale, Insektengiftallergie, Arzneimittelallergie, Kontaktallergie, Anaphylaxie etc. – die Liste der Allergien und allergischer Erkrankungen ist lang. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Betroffenen kontinuierlich zu. Allergische Erkrankungen sind mittlerweile zu einem globalen Gesundheitsproblem geworden - zwischen 20 bis 25 Prozent der Weltbevölkerung sind von einer oder mehreren Allergien betroffen, darunter auch eine große Anzahl junger Menschen.

Beim Fachsymposium „Der allergische Marsch“, das am 24.5. im Vorfeld der Veranstaltung „Allergologie im Kloster“ im Rheingau stattfand, gaben Herr Prof. Knut Brockow, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Technische Universität München, Herr Prof. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden und Vizepräsident beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. und Dr. Jörg Fischer, Universitäts-Hautklinik, Universitätsklinikum Tübingen deshalb einem interessierten Fachpublikum einen präzisen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung.

Der allergische Marsch – gibt es ihn überhaupt?

prof knut brockow allergologie im klosterProf. Dr. Knut Brockow, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Technische Universität MünchenLange Zeit ging man davon aus, dass der allergische Marsch einen vorgezeichneten Weg „einschlägt.“  So nahm man an, dass ein Säugling mit Neurodermitis, die oft mit einer Nahrungsmittelallergie einhergeht, im Laufe seines Lebens mit hoher Wahrscheinlichkeit ein allergisches Asthma bronchiale und schließlich eine Pollenallergie entwickeln müsste.

Allerdings stellt sich immer mehr heraus, dass dies nicht in der strikt vorgegebenen Reihenfolge geschieht, die man bisher  vermutete. Wie Prof. Knut Brockow ausführte, ist es nicht vorhersehbar, in welcher Reihenfolge sich weitere allergische Erkrankungen entwickeln. Das zeigt sich z.B. am Etagenwechsel, womit die Ausweitung einer Pollenallergie zu einem Pollenasthma  gemeint ist, denn hier kehrt sich die beim allergischen Marsch beschriebene Reihenfolge um. Auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen im Erwachsenenalter erstmals an einer Allergie erkranken, spricht gegen die Theorie des allergischen Marsches mit seiner festgelegten Abfolge. Fest steht lediglich, dass bei Bestehen einer atopischen Erkrankung das Risiko für weitere atopische Erkrankungen erhöht ist.

Neurodermitis – den Juckreiz nehmen

prof ludger klimek allergologie im klosterProf. Dr. med. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Aller-gologie, WiesbadenFür Neurodermitis-Patienten - und insbesondere für Kinder - ist der Juckreiz, der zum Krankheitsbild Neurodermitis gehört, nur schwer zu ertragen. Hinzu kommt, dass die häufig zu trockene, aufgekratzte Haut von Neurodermits Patienten ein idealer Nährboden für die Besiedelung mit patogenen Keimen ist. Die Keimbesiedelung verstärkt den Juckreiz, es wird noch mehr gekratzt, das Hautbild verschlechtert sich weiter – ein Teufelskreis.

Zur Therapie gehört zunächst die Meidung des auslösenden Allergens. Allerdings ist dies nur dann möglich, wenn eine Allergie vorliegt und das Allergen bekannt ist. Auch eine gute Hautpflege und verhaltenstherapeutische Maßnahmen tragen dazu bei, eine weitere Schädigung der Haut zu vermeiden.

Mit einer guten Hautpflege soll erreicht werden, dass die tendenziell trockene Haut wieder geschmeidig wird. Die Entzündungen der Haut werden typischerweise mit topischen Glukokortikoiden, d.h. mit Kortison behandelt. Allerdings wies Prof. Dr. Ludger Klimek im Rahmen seines Vortrags darauf hin, dass Kortison bei den Patienten bzw. den Eltern der betroffenen Kinder zuweilen auf eine gewisse Zurückhaltung stößt, insbesondere bei der Anwendung im Gesichtsbereich. Die Folge ist, dass die Verordnung nicht immer im nötigen Maße umgesetzt wird, was den Therapieerfolg einschränkt.

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